Schweigen für die Toten

15. Juli 2005, 00:04
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Das Leben in der britischen Hauptstadt und in Europa stand für zwei Minuten still - Gedenken von Tausenden am Abend am Trafalgar Square

London – Busse, Taxis und Züge hielten an. Auf Plätzen und Straßen, in Bahnhöfen und Einkaufszentren blieben die Leute stehen. Viele Londoner – unter ihnen Königin Elisabeth II. – hatten ihre Büros verlassen und waren nach draußen gekommen, so wie Bürgermeister Ken Livingstone es angeregt hatte. Auch die meisten Unternehmen einschließlich der Londoner Börse stellten vorübergehend den Betrieb ein. Millionen Menschen in der britischen Hauptstadt und in Europa gedachten am Donnerstag um zwölf Uhr Londoner Zeit für zwei Minuten still der Opfer der Terroranschläge vor einer Woche.

Am Trafalgar Square gedenken am Abend Tausende: Bürgermeister und Moslemratspräsident vereint

Am Donnerstagabend haben tausende Menschen auf dem Trafalgar Square der mindestens 53 Todesopfer gedacht. Bürgermeister Ken Livingstone erinnerte in seiner Ansprache daran, dass die Londoner auf demselben Platz nur wenige Stunden vor den Anschlägen den Zuschlag für Olympia 2012 gefeiert hatten. Die Bombenleger hätten unter anderem das Ziel verfolgt, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen "wie Tiere in einem Käfig". Doch dabei seien sie "gründlich und vollständig gescheitert". Er versprach den vielen Verletzten und den Angehörigen der Toten Ehrenplätze bei den Olympischen Sommerspielen in sieben Jahren.

Der Präsident des Bewerbungskomitees für Olympia, Sebastian Coe, sagte, alle Vorbereitungen für die Spiele in den kommenden Jahren seien den Opfern des 7. Juni und der nächsten Generation gewidmet. Iqbal Sacranie, Generalsekretär des Moslemrats (MCB), Dachverband zahlreicher moslemischer Organisationen in Großbritannien, zitierte aus dem Koran: "Wer einen Menschen tötet, hat gleichsam die ganze Menschheit getötet. Wer einem Menschen das Leben rettet, hat gleichsam die ganze Menschheit gerettet."

Bei den Anschlägen von "7/7", wie sie mittlerweile in den britischen Medien genannt werden, kamen nach offiziellen Angaben bisher 53 Menschen ums Leben – die vier mutmaßlichen Attentäter eingeschlossen; 700 Menschen wurden verletzt, 49 von ihnen wurden am Donnerstag noch in Krankenhäusern behandelt. Mehr als 70 britische Familien sollen noch Angehörige vermissen. (red, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 15.07.2005)

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    Tausende gedenken der Opfer des Londoner Terrors

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