Gehrer war lange vorgewarnt

16. August 2006, 12:10
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Eine Studie zweier Juristen prophezeite das jetzige Chaos an den Unis – Die Rektoren zeigen sich derweil über Schüssels Schuld­zuweisungen empört

Wien - Den schwarzen Peter lassen sich die Rektoren nicht zuschieben. Auch nicht vom Bundeskanzler. Rektorenchef Christoph Badelt wies die von Wolfgang Schüssel im Standard-Interview geäußerte Schuldzuweisung mit Nachdruck zurück, wonach die autonomen Unis selbst verantwortlich seien für das jetzige Chaos, sie hätten genug Vorbereitungszeit gehabt. Badelt: "Konkrete Gespräche über die möglichen Konsequenzen auf das EuGH-Urteil hat es erst seit einigen Wochen gegeben." Die Regierung selbst habe eine offene, rechtzeitige Diskussion des offenen Uni-Zugangs abgelehnt und Zeit verspielt.

Das Bildungsministerium war übrigens monatelang vorgewarnt vor dem Chaos an den Unis nach dem EuGH-Urteil über Österreichs Uni-Zugang. Schon vor zwei Monaten lieferten die Juristen Christian Brünner und Werner Hauser die vom Ministerium selbst in Auftrag gegebene Studie "Reflexionen zur Neuordnung des Hochschulzuganges" ab.

Grundtenor des Papiers: Am schlimmsten für Österreichs Bildungssystem wären unüberlegte "Hüftschüsse" als Reaktion auf das EuGH-Urteil. Und genau davor, was die Regierung gemacht und Schüssel verteidigt hat, warnt die Studie dringend: "Die Studienautoren halten die Lösung, die Zulassung den Unis in die Autonomie zu geben, für rechtlich und politisch höchst bedenklich."

Ex-Rektorenchef Brünner kritisiert im Gespräch mit derStandard.at die überhastete Gesetzesnovelle und die universitären "Notfallpläne": "Wir rechnen mit einer Flut von Klagen aufgrund sachlich nicht gerechtfertigter Differenzierung." Die Klagen seien "erfolgsversprechend", so Brünner. Er hat übrigens "keinen Mucks mehr vom Ministerium gehört". (DER STANDARD-Printausgabe, 15.7.2005)

  • Der Jurist Christian Brünner verfasste gemeinsam mit Werner Hauser
eine Studie für das Ministerium, in dem die beiden vor "Schnellschüssen" warnten. Die Studie allerdings verschwand in einer Schublade im Haus am Minoritenplatz.
    foto: utri

    Der Jurist Christian Brünner verfasste gemeinsam mit Werner Hauser eine Studie für das Ministerium, in dem die beiden vor "Schnellschüssen" warnten. Die Studie allerdings verschwand in einer Schublade im Haus am Minoritenplatz.

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