Komment@r: Der große Sinneswandel

18. Juli 2005, 14:21
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Rapid verstand sich lan­ge als das Wilde, Junge, Österreichische - davon ist nicht viel übrig, aber eigentlich ist das egal

Der Auftakt ist vollbracht, es ist wieder Zeit das große Legionärs-Gejammere anzustimmen: Rapid setzte am ersten Spieltag drei Österreicher in der Startformation ein, brachte es insgesamt auf weniger heimische Spielminuten als die Austria - ein Kunststück. Vor allem für einen Verein, der sich in den letzten Jahren gerne als Refugium für junge, österreichische Fußball-Kunst verstand. Bei Sturm sieht es nicht besser aus, bei Salzburg detto. Und das obwohl Red Bull-Boss Mateschitz nach der Übernahme noch versuchen wollte "weitgehend auf österreichische Spieler und Talente zurückzugreifen".

Der Sinneswandel bei Rapid hat freilich nicht nur mit Verletzungen sondern auch mit den gestiegenen Ambitionen zu tun. So ein Meisterteller in Kombination mit der Hoffnung auf den Geldregen der Champions League ist einer konstanten Philosophie nicht gerade einträglich. Dazu kommt die im letzten Jahr angestiegene Erwartungshaltung der sich vermehrenden Fans: Die Meisterschaft ist Mission, das Reservoir an heimischen Spielern adäquater Qualität nicht unerschöpflich. Will der Verein tatsächlich um den Titel mitkämpfen und so die erfolgshungrigen Fans bei der Stange halten, muss er versuchen den Rhythmus von Austria und Salzburg annähernd mitzugehen - gegebenenfalls mit Spielern aus dem Ausland. Auch der aktuelle Meister kann sich diesem Sog nicht entziehen, die Trendwende begann schon in der vergangenen Saison.

Für das ÖFB-Team hält sich der Schaden trotz aller Klagen über die 'Flut an Legionären' in Grenzen: die besten Spieler würden niemals ein Schussbein in die heimische Liga setzen. Soll ein Spieler dem Team bei der EM 2008 tatsächlich gegen die Besten der Besten weiterhelfen, muss er bestimmt in der Lage sein, sich in Österreich durchzusetzen. So wie Austrias Andreas Lasnik, der dem starken Sebastian Mila zumindest in der ersten Runde vorgezogen wurde und das in ihn gesetzte Vertrauen mit einer vielversprechenden Leistung rechtfertigte. (Bauer)

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