Wald-Wachstum kann Klimaproblem allein nicht lösen

17. Juli 2005, 13:00
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Klimaprojekt "Siberia II" untersuchte die sibirische Taiga

Jena - Das Wachstum der Wälder kann das weltweite Klimaproblem allein nicht lösen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschafter aus sieben europäischen Ländern in einer Klimastudie, die am Donnerstag in Jena vorgestellt wurde. Die Hypothese, dass große Waldgebiete wie die sibirische Taiga dazu beitragen können, die vom Menschen verursachten Treibhausgase zu reduzieren, habe sich durch die Untersuchung nicht bestätigt, wurde betont.

Eine besondere Bedeutung erlangt dieses Ergebnis wegen des im Februar in Kraft getretenen Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz. Darin wurde festgelegt, dass Aufforstungen auf die nationale Treibhausgasbilanz der jeweiligen Staaten angerechnet werden können.

Klimaprojekt Siberia II

Für das von der EU finanzierte Klimaprojekt "Siberia II" dokumentierte das internationale Wissenschaftlerkonsortium am Beispiel der sibirischen Taiga erstmals mit Hilfe von Satellitendaten das Zusammenspiel zwischen globaler Erwärmung, Kohlenstoffkreislauf und Vegetation.

"Bislang beruhten unsere Klimamodelle auf zu vielen Hypothesen, es fehlte an exakten Daten", erklärte Christiane Schmullius von der Universität Jena, die das Projekt federführend betreute. Nun halten die Klimaforscher nach Angaben der Expertin die Werkzeuge in der Hand, um das Ausmaß der Klimaveränderungen mit Hilfe von Satellitenbildern zu erfassen und Prognosen für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu geben.

Vegetationskarten

In einem ersten Schritt erstellten die Forscher auf Basis der Radar- und Wärmebilder von zwölf Satelliten Vegetationskarten. Die Daten wurden anschließend in Klimamodelle integriert und an der sibirischen Wirklichkeit getestet. Seit 1960 stieg die Oberflächentemperatur in dem rund zwei Millionen Quadratmeter großen Gebiet um drei Grad Celsius an. Dadurch setzt die Tau- und Wachstumsperiode früher ein.

Die Annahme, dass die eifrig sprießenden Pflanzen nun auch mehr Treibhausgase aufnehmen, verkehre sich auf lange Sicht jedoch ins Gegenteil, so das Fazit der fünfjährigen Forschungsarbeit. Denn auch im Boden wird mehr organischer Kohlenstoff zersetzt, so dass mehr davon in die Atmosphäre gelangt als von den Pflanzen aufgenommen wird. In den durch die Schneeschmelze entstehenden Überschwemmungsgebieten sorgen Mikroorganismen unter Luftabschluss zusätzlich für eine hohe Methangasproduktion. Auch Methan ist ein Treibhausgas.

Ergebnisse und Übertragbarkeit

Da die Schneeschmelze jetzt früher einsetzt und größere Gebiete betrifft, prognostizieren Experten einen Anstieg des Treibgasausstoßes. "Das alles trägt dazu bei, dass die Taiga insgesamt weniger Treibhausgase speichert, als wir bisher angenommen haben", erklärte Schmullius. Die Erkenntnisse könnten nach Angaben der Forscherin nun auch auf andere Regionen der nördlichen Erdhalbkugel wie den Nadelwald in Kanada oder in den USA übertragen werden. Ob solch eine Untersuchung gewünscht ist, sei aber wohl eher eine Frage, die auf politischem Parkett entschieden werde, fügte sie hinzu.

Nach jahrelangem Ringen hatte sich die internationale Gemeinschaft 1997 im Kyoto-Protokoll erstmals auf verbindliche Ziele und Maßnahmen geeinigt, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Es verpflichtet die größten Industriestaaten, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2008-2012 um 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Die USA haben die Vereinbarung zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. (APA)

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