kein Titel

14. Juli 2005, 19:18
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Das Comeback in Violett hätte nicht besser laufen kön­nen, auch Lasnik stark - Festung Hanappi fiel schon im ersten Spiel

Wien - Vier Mannschaften ist vor dem Saison-Auftakt der Fußball-T-Mobile-Bundesliga der Titel zugetraut worden, nur zwei starteten auch mit Erfolgen. Nach dem GAK, der am Dienstag den Schlager gegen Salzburg mit 3:1 für sich entschieden hatte und damit der erste Tabellenführer ist, feierte auch Austria Magna vor den Augen von Boss Frank Stronach mit einem 2:1 über Admira einen Auftaktsieg. Titelverteidiger Rapid musste sich dagegen zu Hause gegen Sturm 2:3 geschlagen geben.

Austrias Trainer-Duo Peter Stöger/Frankie Schinkels überraschte mit der Aufstellung - und lag damit goldrichtig. Trotz 18 Legionären unter Vertrag erhielten die beiden jungen Österreicher Roland Linz und Andreas Lasnik das Vertrauen. Stürmer Linz bedankte sich mit den zwei siegbringenden Treffern (3., 32.), Lasnik war im linken Mittelfeld einer der großen Aktivposten der Wiener.

Lob von Stronach

Lob gab es für die beiden daher auch von Stronach. "Ich freue mich für Linz, der die Tore geschossen hat. Auch Lasnik war sehr stark. Ich halte ihn für einen der besten österreichischen Spieler", sagte der Austro-Kanadier, der allgemein Positives ortete. "Es war eine gute Partie, obwohl wir einen Mann weniger waren. In der Führungsebene und in der Mannschaft herrscht eine gute Harmonie, es wird offen gesprochen. Ich habe ein gutes Gefühl", betonte er. Lediglich zum "Fall Polster" gab er sich wortkarg und "keinen Kommentar" ab.

In der Schlussphase nach dem Ausschluss von Papac (56.) und dem Anschlusstreffer von Bule (83.) kam der Favorit vor 9.200 Zuschauern in der Südstadt noch ins Wanken. "Die erste Spielhälfte war eine klare Angelegenheit, da hätten wir mit vier Toren führen müssen. Nach dem Ausschluss sind wir unter Druck geraten. Die Kräfte haben ebenfalls eine Rolle gespielt. Die Mannschaft hat sich trotzdem drübergekämpft", analysierte Schinkels und betonte: "Die Jungen werden bei uns immer ein Thema sein. Wir bringen Linz, Admira bringt Wallner und Teamchef Krankl freut sich".

Gefreut hat sich auch Linz über eine "Rückkehr wie im Traum. Ich muss mich bei der Mannschaft bedanken, die mich zwei Mal in Szene gesetzt hat. Es ist ein gutes Gefühl, wenn die Trainer auf mich setzen, das hat motiviert." Wallner, der das Duell der Stürmertalente und die Partie verlor, zeigte sich dennoch nicht unzufrieden: "Ich glaube, dass wir mit der Partie zufrieden sein können. Wir haben uns gut verkauft, hatten gute Aktionen und hätten uns einen Punkt verdient. Die zwei Gegentore dürfen nicht passieren, das waren die zu Beginn logischen Abstimmungsprobleme. Dass wir den Beginn verschlafen, ist uns leider auch in der Vorbereitung ein, zwei Mal passiert."

Schmerzvolle Rapid-Niederlage

Eine Heimniederlage schmerzt immer, gerade in St. Hanappi", bestätigte Rapids Meistertrainer Josef Hickersberger. Seit 15. Mai 2004 (1:3 gegen die Admira) hatten die Hütteldorfer dieses Gefühl nicht mehr gekannt, waren sie doch in ihrer Titelsaison in ihrer Heimstätte ungeschlagen geblieben. Doch am Mittwoch musste sich der Meister zum Fußball-Saisonauftakt einem taktisch disziplinierten Team von Sturm Graz mit 2:3 (0:1) beugen.

"Der Kardinalfehler war, dass es uns nicht gelungen ist, das Spiel in die Breite zu ziehen. In der Mitte ist die Sturm-Abwehr wie eine Eins gestanden", betrieb Hickersberger Ursachenforschung. Deshalb war sein Team den cleveren Grazern trotz Übergewichts an Spielanteilen und Torchancen nicht einmal ganz unverdient unterlegen. "Ich habe mir von meiner Mannschaft mehr erwartet", sagte der Rapid-Erfolgscoach, der sich zumindest an einem Punkt aufrichtete: "Die Meisterschaft geht noch über 35 Runden."

Hofmann: "Das müssen wir besprechen"

Ob sie alle mit Spielmacher Steffen Hofmann über die Bühne gehen, steht aber noch in den Sternen. Der 24-jährige Deutsche könnte den Meister frühestens nach der Champions League-Qualifikation verlassen. "Bei uns hat vieles noch nicht zusammengepasst", analysierte Österreichs Fußballer des Jahres 2004 Rapids erste Auftaktpleite seit der Saison 1999/2000 (1:2 beim FC Tirol). "Wir haben uns nicht ganz an das taktische Konzept gehalten, die Außen zu wenig besetzt", nahm der Kapitän seine Mannschaft in die Kritik. "Das müssen wir besprechen."

Einen klaren Startvorteil sah Hofmann bei den Grazern, die nach zehn sieglosen Bundesliga-Spielen gegen Rapid erstmals wieder gewannen: "Unser stärkster Gegner in der Vorbereitung war mit Budweis kein tschechischer Top-Klub, Sturm hat doch schon zwei hochkarätige UI-Cup-Spiele gegen Wolfsburg (2:2 und 1:3) bestritten."

Homogene Sturm-Mannschaft

Tatsächlich präsentierte sich die Mannschaft von Michael Petrovic ("Wir haben gut gearbeitet") als die homogenere. "Wir haben gewusst, dass wir bei Rapid nur über Kampf und Disziplin bestehen können, weil das spielerisch die stärkste Mannschaft Österreichs ist", sagte der 20-jährige Sturm-Kapitän Jürgen Säumel, der ebenso überzeugte wie der noch um ein Jahr jüngere Linksverteidiger Ronald Gercaliu. Mit derartigen Vorstellungen sind die beiden U21-Nationalspieler früher oder später vielleicht auch für Teamchef Hans Krankl, der sich ebenfalls unter die 16.200 Besucher im Hanappi-Stadion gemischt hatte, ein Thema.

"Bei uns herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung", urteilte Mittelfeldmotor Jürgen Säumel. Dabei fehlte bezeichnenderweise Hannes Kartnig. Der Sturm-Präsident zog einen Besuch bei der Carmen-Premiere im Römer-Steinbruch St. Margareten jenem im Hanappi-Stadion vor.(APA)

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