Khatami appelliert an Nachfolger: Demokratie nicht ignorieren

22. Juli 2005, 08:27
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Scheidender iranischer Präsident will in Europa - möglicherweise in Wien - Dialog zwischen den Kulturen fördern

Teheran - Der scheidende iranische Staatspräsident Mohammad Khatami hat an seinen gewählten Nachfolger, den bisherigen Teheraner Bürgermeister Mahmoud Ahmadinejad, appelliert, demokratische Bestrebungen im Land nicht zu ignorieren. Die Regierung müsse ihre Kritiker dulden, sagte Khatami laut Medienberichten vom Donnerstag am Vorabend auf einer Anschiedsveranstaltung für in- und ausländische Medienvertreter. Khatami, der als Reformpolitiker gewählt worden war, gilt als Architekt der "islamischen Demokratie" im Iran.

Der als ultrakonservativ geltende Ahmadinejad hatte die Präsidentenwahl in einer Stichwahl gegen den ursprünglichen Favoriten Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani am 2. Juli mit großer Mehrheit gewonnen. Er wird im 4. August in sein Amt eingeführt. Im Wahlkampf hatte er sich auf wirtschaftliche Themen konzentriert. "Die wirtschaftliche Seite ist wichtig und wurde von uns vielleicht etwas vernachlässigt, aber dies ist nicht das Hauptanliegen der Bürger", sagte Khatami. Zu dem Wahlkampfversprechen seines Nachfolgers, Irans Gewinne aus dem Ölgeschäft gerechter unter dem Volk zu verteilen, sagte der scheidende Präsident, dies könne zu neuen wirtschaftlichen Problemen führen.

Khatami sagte vor Reportern, er spiele mit dem Gedanken, nach dem Ende seiner Amtszeit im Ausland - etwa in Genf, Wien oder Zürich - ein Büro zu eröffnen, das sich um den Dialog zwischen den Kulturen kümmern soll. (APA/dpa)

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