Handys gegen Armut in Bangladesch

22. Juli 2005, 08:41
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Experte kritisiert: 60 Jahre nutzlose Entwicklungshilfe

Der beste Weg Entwicklungshilfe zu machen, ist der zu erkennen, welche Defizite vor Ort vorhanden sind. Und eine solche Abschätzung kann nur von Menschen, die in den betroffenen Regionen leben, ausgehen. Zu diesem Schluss kommt ein Experte aus Bangladesch, der mithilfe von Handys in Dörfern große Erfolge feiert, berichtet BBC-Online. Das Projekt ist bei der Technology-Entertainment-Design-Konferenz, die derzeit in Oxford stattfindet, vorgestellt worden.

Ziele verfehlt

Iqbal Quadir, Gründer von Grameen Phone, hat bei der Konferenz erklärt, dass 60 Jahre lang Entwicklungshilfen ihr Ziel verfehlt haben. Der Fachmann sieht Entwicklungshilfezahlungen als Benefizleistungen für Behörden, nicht für die Menschen: Technologien wie etwa mobile Kommunikationssysteme bringen die Menschen näher zusammen und steigern dagegen die Produktivität mehr als andere Hilfeleistungen. Quadir hatte vor zwölf Jahren begonnen, Mobiltelefonie in Dörfern zu installieren. Seit damals sind mehr als 3,5 Mio. Menschen mit mehr als 115.000 Geräten auf den Kundenlisten. Der Unternehmer meint, er habe auf die Stimmen der Betroffenen gehört, nicht auf jene von Behörden.

Schnurloses Internet

Als Folgeschritt will Quadir nun schnurloses Internet in die Dörfer bringen. Doch so einfach ist dieses Vorhaben nicht. "Nur weil Menschen in den Industrienationen Internet haben, brauchen es die Entwicklungsländer nicht auch", so Quadir. "Die fundamentale Schönheit liegt bereits in einem Telefon". Seit der Einführung des Grameen Phone hat sich in Bangladesch vor allem bei der Stellung der Frauen in den Dörfern Einiges getan. Die Frauen, die von den Einheimischen "Grameen Phone Ladies" genannt werden, spielen eine Schlüsselrolle in der dörflichen Kommunikation. Und dies vor allem in einem Land, das die niedrigste Telefondichte in Asien hat. "Eine Frau mit einem Handy wird eine wichtige Persönlichkeit in einem Dorf", so Quadir.

Infrastruktur

Dass die Einführung von Handys allerdings auch zu Veränderungen in der Infrastruktur der Dörfer führt, war klar. So mangelt es an Bankfilialen, Kundendienststellen und auch an Energie. Gemeinsam mit Dean Kamen, dem Elektromobil-Erfinder errichtet Quadir nun Kleinkraftwerke, die aus Kuhdung Strom erzeugen. Aber der Unternehmer setzt auch noch auf die Verbilligung von Solarpanelen zur Erzeugung von Strom. "Wenn diese billiger werden, wäre das zur Energiegewinnung optimal." Für Quadir ist auch klar, dass Elektrizität zur Schaffung von Arbeitsplätzen beiträgt.(pte)

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    foto: bbc
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