"Verdauungsprozess" hat begonnen

31. Juli 2005, 18:37
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Verkauf der Hydro bis frühestens Jahresende, Ende der Börsenotierung im Oktober - kein nennenwerter Personalabbau zu erwarten

Wien - Die Siemens AG Österreich, die gestern, Mittwoch, von der EU grünes Licht für die Übernahme der österreichischen VA Tech bekommen hat, will die Energieerzeugungs-Sparte "so rasch wie möglich", kaum aber vor Ende 2005 verkaufen und die Börsenotierung der VA Tech im Oktober beenden. Dies sagte Siemens Österreich-Generaldirektor Albert Hochleitner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Hochleitner glaubt nicht, dass es durch die Übernahme zu einem nennenswerten Personalabbau kommen wird. Zusammen mit VA Tech-Vorstandschef Christian Habegger stellte er seine Pläne für die Integration des Linzer Technologiekonzerns in den Siemens-Konzern vor. Siemens zahlt für die VA Tech gut eine Milliarde Euro.

Integration in den nächsten Monaten

Die Integration der VA Tech soll in den nächsten Monaten erfolgen und von zwei Ombudsmännern begleitet werden. Mit stärkeren Widerständen von Seiten der Belegschaft rechne man nicht mehr, die Gesprächsbasis mit den VA Tech-Betriebsrat sei mittlerweile "sehr ordentlich".

Für die Hydro-Sparte, die nach dem Willen der EU-Kommission aus Wettbewerbsgründen abgegeben werden muss, gibt es mittlerweile mehr als 10 Interessenten, sagte Hochleitner, Die Vorbereitungen für den Verkauf liefen ab sofort. Weil der Prozess aber so kompliziert sei - "das ist nicht der Verkauf einer Würstlbude" - "ist auszuschließen, dass das noch vor den steirischen (Landtags-)Wahlen über die Bühne geht", sagte Hochleitner. "Bestenfalls" rechne er per Jahresende mit einem Abschluss.

Hochleitner wiederholte, dass ein Käufer für die Energieerzeugung in die Standort- und Jobgarantien von Siemens eintreten und (wegen des Standortes Weiz) zumindest die Akzeptanz der steirischen Landesregierung finden müsse.

Drei große Standorte garantiert

Siemens hat die drei großen Standorte Linz, Wien und Weiz garantiert und eine auf 18 Monate befristete Jobgarantie für Weiz abgegeben. Die Garantie läuft ab dem Closing der Übernahme. Siemens müsse aus Wettbewerbsgründen nur die Wasserkrafterzeugung abgeben und behalte sich vor, das Geschäft mit Gaskraftwerken im Haus zu behalten, sagte Hochleitner. Die Standortgarantien seien freilich einfacher einzulösen, wenn das Geschäft mit den Gaskombi-Anlagen außer Haus gehe. Hintergrund ist eine langjährige Kooperation dieses Bereichs mit dem scharfen Siemens-Konkurrenten General Electric (GE).

Der "Käufer werde "ein sehr großes Unternehmen sein müssen" und wegen der umfangreichen Finanzierungserfordernisse "eine Menge Geld" brauchen, sagte Hochleitner. Zum Preis wollte er nichts sagen. Dieser sei wichtig, der Verkauf sei aber "auch eine Frage der Qualität des Käufers".

Hochleitener und Habegger präsentierten die künftigen Strukturen, in denen sich die einzelnen Teile der VA Tech wiedefinden werden. Markantestes Detail: Das Industriegeschäft der Siemens Österreich wird in die Elin EBG verschoben, die als Tochter von Siemens Österreich vom einstigen VA Tech-Manager Georg Antesberger geführt wird.(APA)

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