Studie: Neuorientierung bei Finanzdienstleistern erforderlich

25. Juli 2005, 13:09
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In der Praxis gehen Finanzdienstleister in der Befolgung von Regeln, die dem Schutz der Anwender dienen, kaum über gesetzliches Mindestmaß hinaus

Wien - Noch deutlichen Handlungsbedarf haben österreichische Finanzdienstleister in Sachen "Wohlverhaltensregeln". Zwar sehen acht von zehn befragten Unternehmen der Branche auch ökonomische Vorteile in den so genannten "Compliance-Regeln", die in erster Linie den Schutz der Anleger sicherstellen sollen. In der Praxis gingen die Unternehmen aber "in der Organisation ihrer Compliance-Funktion oft nicht über das gesetzliche Mindestmaß hinaus", so das Ergebnis einer aktuellen Studie von PriceWaterhouseCoopers (PwC), die heute, Donnerstag, in Wien präsentiert wurde.

Bewusstseinswandel notwendig

Dieser "Minimalansatz" werde aber zunehmend schwerer aufrecht zu erhalten sein, sagte Studien-Mitautor Gerhard Margetich von PwC. Schon im Vorfeld der neuen EU-Wertpapierdienstleistungs-Richtlinie (MiFID) sei ein Bewusstseinswandel sowohl bei den Finanzdienstleistern als auch bei den Anlegern selbst erforderlich. Bisherige Verhaltensweisen müssten überdacht werden, denn "ein völlig neuer Zugang, wie Beratungsleistungen im Finanzbereich erbracht werden sollen, wird entstehen".

Zeitgemäße Compliance sei mehr als "Dienst nach Vorschrift", Banken und Finanzdienstleister würden dann schon im Vorfeld bestmöglich Anlegerinteressen berücksichtigen. Bei größerer Transparenz - wie sie die Richtlinie bringen soll - sei anzunehmen, "dass Kunden jene Anbieter wählen werden, bei dem sie die Vermutung oder Erfahrung haben, dass sie am fairsten behandelt werden", so der PwC-Experte. Bis April 2006 muss MiFID Teil der nationalen Gesetzgebung sein, in Kraft wird die neue Richtlinie nach einer Übergangsfrist voraussichtlich Anfang 2007.

Änderungen im EU-Recht

Als größte Hürde für die bisher zögerliche Umsetzung der bestehenden Compliance-Verpflichtungen nennt die Studie das komplexe regulatorische Umfeld, in dem sich Finanzdienstleister weltweit bewegen. Bevorstehende Änderungen im EU-Recht dürften diese Wahrnehmung künftig noch verstärken. Für viele Unternehmen stellen Compliance-Regeln derzeit schlicht einen Kostenfaktor dar. Allerdings steht für die meisten Befragten außer Frage, dass die Einhaltung der Compliance-Regeln "essenziell" für den Fortbestand von Finanzdienstleistern sei.

Befragt wurden im Rahmen der Studie 73 internationale tätige oder bedeutende nationale Finanzdienstleister aus 17 Ländern weltweit. 63 Prozent der Befragten waren Banken, 19 Prozent Wertpapierfirmen und 18 Prozent Versicherungen. Aus Österreich waren zehn Großbanken, fünf Privatbanken und zwei Versicherungen in die Studie eingebunden. (APA)

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