Pjöngjang will bei Friedensvertrag auf Atomwaffen verzichten

28. Juli 2005, 16:59
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Diplomatische Anerkennung in Washington gefordert - USA gegen neue Vorbedingungen für Sechser-Gespräche

Seoul - Nordkorea hat wenige Tage vor der Wiederaufnahme der Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm Bereitschaft signalisiert, bei einem Friedensvertrag mit Südkorea auf sein Atomwaffenprogramm zu verzichten. Ein solcher Vertrag würde automatisch ein Ende der feindseligen US-Politik gegenüber Pjöngjang nach sich ziehen, die den Atomstreit überhaupt erst ausgelöst habe, sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums am Freitag. In einer weiteren Erklärung forderte Nordkorea die diplomatische Anerkennung seitens der Vereinigten Staaten und die Aufhebung von Sanktionen.

Der namentlich nicht genannte Außenamtssprecher, der von der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zitiert wurde, plädierte für die Umwandlung des Waffenstillstandsabkommens vom Juli 1953 in einen echten Friedensvertrag. Dies würde automatisch zu einer atomaren Entmilitarisierung der koreanischen Halbinsel führen. Verhandlungen über einen solchen Schritt würden den multilateralen Atomgesprächen in der kommenden Woche einen starken Impuls verleihen, fügte der Sprecher hinzu.

Einjährige Unterbrechung

Die Sechs-Länder-Gespräche zwischen Nord- und Südkorea sowie den USA, Russland, Japan und China sollen nach mehr als einjähriger Unterbrechung am kommenden Dienstag in Peking fortgesetzt werden. Beobachter befürchteten allerdings, dass diese aus den Fugen geraten könnten, sollte Nordkorea mit der Forderung nach einem Friedensvertrag einen neuen Tagesordnungspunkt auf den Tisch bringen.

In einer weiteren Erklärung, die von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua verbreitet wurde, rief das Außenministerium in Pjöngjang die USA auf, Nordkorea von der Liste der Staaten zu streichen, die den Terrorismus förderten. Auch sollten die USA die Wirtschaftsbeziehungen des kommunistischen Landes mit anderen Staaten nicht stören, hieß es weiter. Stattdessen wurde der Abschluss eines bilateralen Nichtangriffspakts gefordert.

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Nordkorea solle "ohne Vorbedingungen" in die am kommenden Dienstag beginnenden Atomgespräche gehen. Pjöngjang solle die "strategische Entscheidung" treffen, seine Atomwaffen zugunsten besserer Beziehungen zum Rest der Welt zu verschrotten, sagte der Sprecher Scott McClellan. Offiziell befinden sich die USA, der demokratische Süden und der kommunistische Norden seit dem Koreakrieg (1950-1953) im Kriegszustand.Nordkorea warf den USA wiederholt vor, das Regime in Pjöngjang stürzen zu wollen.

Nach Ansicht von Beobachtern ist der Versuch einer Annäherung an die USA vor allem auf die verzweifelte wirtschaftliche Situation Nordkoreas zurückzuführen. Seit rund zehn Jahren ist das Land auf Lebensmittelhilfe für seine Bevölkerung angewiesen. Nordkorea erholt sich nur langsam von der großen Hungersnot in den 90er Jahren, in deren Verlauf bis zu zwei Millionen Menschen starben. Um weitere finanzielle Hilfen etwa des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen zu können, müsste Nordkorea nach Ansicht von Experten danach streben, ein vollwertiges Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu werden.

Unterdessen wurde die erste private Telefonverbindung zwischen den beiden koreanischen Staaten fertiggestellt. Sie soll Videokonferenzen zwischen getrennten Familien ermöglichen. Einer bilateralen Vereinbarung zufolge sollen jeweils 20 Familien aus Nord- und Südkorea anlässlich des Unabhängigkeitstages am 15. August per Videoschaltung miteinander in Verbindung treten dürfen. (APA/AP/dpa)

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