Deutsche Musikindustrie kämpft gegen Links

14. Oktober 2005, 16:55
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Wegen Lücken im russischen Urheberrecht setzt die IFPI nun auf Unterlassungserklärung wegen Links auf das Musikportal Allofmp3 – Deutsche Online-Medien reagieren

Die deutsche Musikindustrie (IFPI Deutschland) setzt ihren Kampf gegen illegale Downloads vor und beschreitet dabei immer neue Wege.

Hyperlinks

Im Fokus der juristischen Aktionen sind diesmal nicht die Nutzer von P2P-Tauschbörsen, Stein des Anstoßes sind Hyperlinks. In Wirklichkeit geht es aber um das russische Musikportal Allofmp3.

Billig

Allofmp3 verkauft Musiktitel 10 bis 15 Cent, bei On-Demand Diensten hierzulande kostet ein Lied zumeist 99 Cent pro Download. Bei Allofmp3 steht es den Usern außerdem offen, Dateiformat und Qualität der Songs selbst auszuwählen, auch gibt es keine DRM-Verfahren und Kopierbeschränkungen.

Lücken im russischen Urheberrecht

Laut IFPI besitzt der russische Anbieter aber keine Lizenzen für den Verkauf von Musik nach Deutschland. Da es auf Grund von Lücken im russischen Urheberrecht anscheinend nicht möglich war, gegen Allofmp3 vorzugehen, hat die Musikindustrie das Landgericht München eingeschaltet.

Einstweilige Verfügung

Das Landgericht München hat im Mai eine einstweilige Verfügung zahlreicher Musiklabels gegen Allofmp3 zugelassen. Darinn wird der Plattform der Verkauf von Musik nach Deutschland untersagt.

Positive Berichterstattung

Ein Dorn im Auge der Musikindustrie war aber die oftmals positive Berichterstattung diverser deutscher Medien über den russischen Downloadddienst. "Sogar eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt hat auf ihrer Webseite nicht nur auf das in Deutschland illegale russische Angebot verlinkt, sondern den Dienst auch noch als "richtungsweisend" und "perfekt" angepriesen", schreibt etwa der Rechtsanwalt Thorsten Braun von der Münchener Kanzlei Waldorf Rechtsanwälte, die die Musikindustrie vertritt.

Unterlassungserklärung

Aber vor allem Links auf das Angebot scheinen die Musikindustrie zu erbosen. So hat etwa "Chip Online" Allofmp3 als "vorbildliches Angebot" bezeichnet und auch einen Link auf den Webauftritt gesetzt. Prompt flatterte eine Unterlassungserklärung mit zu erstattenden Anwaltskosten ins Haus.

"Wir haben die Unterlassungserklärung unterzeichnet", sagte Christian Riedel, Chefredakteur von "Chip Online" gegenüber dem Spiegel Online. Alle Artikel und Forenbeiträge, die einen Link zu der umstrittenen Website haben, seien nun vom Netz. Allerdings kann über den Google-Cache nach wie vor auf die Texte zugegriffen werden.

Widerstand

Der Heise Verlag, der schon einmal wegen einem Link zur Kasse gebeten wurde, widersetzt sich noch den Forderungen der Musikindustrie. In einem Bericht über die Abmahnungen wegen der Links auf AllofMP3 ist der bewusste Link nach wie vor Online.

Der zuständige Heise- Redakteur verteidigt sich im Spiegel–Online: "Nicht wir haben den Streit begonnen, sondern die andere Seite." Ihm zu folge gehören Links in die Online-Berichterstattung wie die Seitenzahlen in eine Zeitschrift: "Sollen wir denn unseren Lesern in vorauseilendem Gehorsam Informationen vorenthalten, weil sie den kommerziellen Interessen einer Gruppe von Unternehmen entgegenstehen?"

Sinnhaftigkeit

Fraglich ist die Sinnhaftigkeit der Aktion. Schließlich darf wohl den meisten Usern zugetraut werden, AllofMP3 via Google zu finden oder einfach die Endung .com anzuhängen. Ein Verbot der Nennung von AllofMP3 in der redaktionellen Berichterstattung scheint aber nicht mal die Musikindustrie zu fordern, auch sie nennt den Namen des umstrittenen Angebots auf ihrer Website.(red)

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