Musikrundschau: Begnadete Exzentriker

20. Juli 2005, 21:27
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Neue Alben: "Kiss The Future" von Mark Stewart & The Maffia und "Ocean Of Confusion" von den Screaming Trees

MARK STEWART
Kiss The Future
(Souljazz/Hoanzl)
Einen exzellent zusammengestellten Rückblick auf das Wirken von Mark Stewart ermöglicht Kiss The Future. Der britische Ausnahmemusiker kompilierte hier Stücke aus seiner Vergangenheit als Politfunker, der zur Zeit des Postpunk unvergleichlich gewesenen The Pop Group, als Mark Stewart & The Maffia sowie als Solokünstler: Dementsprechend balanciert das Ergebnis zwischen hartem Funk, Industrial-Dub und düsteren Grooves. Österreichzentrierte Hörer kennen den Mann vielleicht auch von seiner Zusammenarbeit mit den Sofa Surfers auf deren Album Encounters, das aber im Vergleich zum hier präsentierten Stewart eine Kinderjause war. Warum auf brillante Stücke wie Colourblind vom The-Pop-Group-Album We Are Time und auf die vielleicht erste TripHop-Nummer der Musikgeschichte, das auf einem Eric- Satie-Sample errichtete und von Adrian Sherwood produzierte Stranger Than Love verzichtet wurde, bleibt ein Rätsel.

SCREAMING TREES
Ocean Of Confusion
(Sony)
Knapp zehn Jahre nach der Auflösung dieser notorisch zerstrittenen und unter den negativen Auswirkungen der diversen Suchtverhalten ihrer Bandmitglieder leidenden Formation erscheint nun eine Werkschau der zart psychedelischen Prä- und Postgrunger Screaming Trees. Ocean Of Confusion ist wohl ein der Bandbiografie zugedachter Titel. Wie auch immer: Was die Fixmitglieder, das Brüderpaar Van und Gary Lee Connor sowie ihr genialer Sänger Mark Lanegan, in den früher 90ern auf dem Major Epic veröffentlicht haben, zeitigt auch heute noch Wirkung: Heftige Gitarren und drängende Rhythmen prägen einen "Ocean Of Sound", in dessen Epizentrum, dort wo die Kräfte am stärksten spürbar sind, Mark Lanegan seine prägnante Stimme erhebt. Um zwei bisher unveröffentlichte Stücke erweitert ist diese CD ein guter Einstieg ins Werk dieser nach einem Gitarreneffektpedal benannten Band aus der Nähe von Seattle. Vor allem sollte sie aber als Appetizer für das finale Album der vier aus 1996 fungieren: Auch das passt zur Bandgeschichte: Als Grunge und seine Ausläufer niemanden mehr interessierten, veröffentlichten sie ihr Meisterwerk: Dust - eines der besten Rockalben der 90er-Jahre.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2005)

Von Karl Fluch
  • MARK STEWART Kiss The Future  (Souljazz/Hoanzl)
    foto: souljazz

    MARK STEWART
    Kiss The Future
    (Souljazz/Hoanzl)

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