VW verliert Peter Hartz und bekommt ein Sparprogramm

31. Juli 2005, 18:22
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Nach dem Abgang von Personalchef Hartz will der affärengebeutelte deutsche Autokonzern mit einem Sparpaket punkten

Die Ära Hartz im deutschen Autokonzern VW geht zu Ende. Das Präsidium des Aufsichtsrates hat dem Kontrollgremium am Mittwoch einstimmig empfohlen, das Rücktrittsangebot des 63-jährigen Personalvorstandes vom vorigen Freitag anzunehmen.

"Ich habe keinen Zweifel, dass der Aufsichtsrat dem zustimmen wird", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der das Land im Aufsichtsrat vertritt.

Peter Hartz geht in Pension, eine Abfertigung soll er nicht bekommen. Einen Nachfolger für ihn gibt es noch nicht. Bis einer gefunden ist, wird VW-Chef Bernd Pischetsrieder die Agenden des Personalvorstands übernehmen. Das Vorschlagsrecht für die Hartz-Nachfolge liegt bei der Gewerkschaft IG Metall.

Sparkurs

Das Präsidium hat auch den künftigen Sparkurs bei VW besprochen. In den nächsten drei Jahren peilt der als Sanierer geholte neue Markenchef Wolfgang Bernhard Kosteneinsparungen in Höhe von fünf Milliarden Euro und mehr als zwei Milliarden Euro an Leistungssteigerungen an.

Die Tarifverträge der Mitarbeiter sollen davon aber nicht betroffen sein. In Europa werde auch kein Standort geschlossen. Bis 2008 will VW im Schnitt jährlich 2,5 Milliarden Euro in die VW-Pkw-Sparte investieren. "Die Marke Volkswagen stehe für Qualität und Zuverlässigkeit", so Bernhard.

"Minimale Renditeziele"

Weil VW unter schwachen Erträgen leidet wird er sein anvisiertes Kapitalrenditeziel von neun Prozent nach Angaben von Finanzvorstand Hans Dieter Pösch kurzfristig nicht erreichen. Man wolle sich aber in allen Geschäftsbereichen zumindest "minimale Renditeziele" setzen.

Aus Indien kommen mittlerweile finanzielle Forderungen an VW. Der Industrieminister von Andhra Pradesh, Bosta Satyanarayana, fordert die Rückzahlung von zwei Millionen Euro, sollte VW dort doch kein Werk bauen. Die Regierung hat das Geld an die Firma "Vashisha Wahan" überwiesen - in der Annahme, dies stehe für "VW".

Die Regierung gibt zu, bezahlt zu haben, um sich den Bau der Firma zu sichern, will aber nicht von "Schmiergeld" sprechen. VW sagt jedoch, dieses Unternehmen habe mit ihm nichts zu tun. Es gehört vielmehr dem ehemaligen, mittlerweile entlassenen Skoda-Chef Helmuth Schuster.

Viagra auf VW-Kosten?

Diesem, wie auch Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert, wird vorgeworfen, an Scheinfirmen beteiligt zu sein. Zudem hat Volkert angeblich Prostituierte auf Firmenkosten einfliegen lassen, auch für Hartz.

Dem wird auch angelastet, für Reisen des Betriebsrates Blankoschecks ausgestellt zu haben. Laut der Illustrierten Bunte behauptet Schusters Ehefrau, VW habe bei den Lustreisen sogar Viagra verteilt. (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.07.2005)

Birgit Baumann aus Berlin
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    Abgang in Ungnade: VW-Personalchef Peter Hartz verlässt den Konzern. Er bekommt keine Abfertigung.

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