Darwinist, Katholik, Atheist

13. Juli 2005, 20:16
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Khols Bekenntnis, Wicks Gegenattacke, Kothgassers Grenzziehung

Wien/Salzburg - "Ich bin kein Darwinist." Der das von sich behauptet, ist Nationalratspräsident Andreas Khol (VP), und er gab am Mittwoch auch gleich bekannt, was er denn dann sei: "Ich bin Katholik und glaube an den Schöpfungsplan." Von daher sei Kardinal Christoph Schönborns Kritik an "unwissenschaftlichen" Evolutionstheorien, die einen Gottesplan "wegerklären" wollten, "sehr gut. Denn es ist völlig richtig, geht man nicht von einem Schöpfungsplan aus, gibt es keine Wertordnung mehr. Das ist der absolute Relativismus", so Khol.

Nicht Darwinist, aber auch nicht Kreationist, will er sein: "Dass die biblische Schöpfungsgeschichte sozusagen ein Bauplan oder Protokoll ist und die Schöpfung sieben Tage gedauert hat - also, da bin ich nicht dabei." Khol ist nur beim "gemäßigten Standpunkt" dabei.

So viel Mäßigung ist dem Chef des Forschungsförderungsfonds (FWF), Georg Wick, zu viel des Guten. Er kritisierte Schönborns Vorstoß als "Attacke auf die Wissenschaft und schweren Rückfall in die Zeit der Gegenreformation". Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft seien "bewährte Grundrechte unserer Gesellschaft und die so gewonnenen Resultate müssen gegen Angriffe - von welcher Seite auch immer - verteidigt werden".

Als Wissenschafter und praktizierender Christ hat Wick "kein Problem damit, auch im Wirken des Zufalls in der Evolution ein höheres Prinzip zu sehen". Aber die Evolutionstheorie "konnte bis zum heutigen Tag nicht erschüttert werden, im Gegenteil: durch jüngste Ergebnisse der Genomforschung hat sie eine eindrucksvolle Bestätigung erfahren", betonte der FWF-Chef. Er möchte den "seit der Aufklärung entwickelten respektvollen Abstand" zwischen Kirche und Wissenschaft erhalten.

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser meinte zur aktuellen Debatte im STANDARD-Gespräch: "Es gibt heute im Wesentlichen zwei Evolutionstheorien: die atheistische und die naturwissenschaftliche. Mit Ersterer gibt und kann es keinen Konsens geben. Diese Theorie leugnet explizit die Existenz Gottes. Mit der von Ideologien weit gehend unbeeinflussten naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie ist ein konstruktiver Dialog möglich. Freilich bleibt auch hier die entscheidende Frage nach dem Anfang. Der christliche Glaube bekennt, dass nur Gott aus dem Nichts etwas ins Dasein rufen kann."

Kothgasser weiter: "Der ganze Kosmos ist nicht zufällig und planlos entstanden, gleichsam als Zufallsprodukt der Evolution. Sie ist nach christlichem Glauben Schöpfung eines Schöpfers. Dies schließt aber nicht aus, dass es in der Entwicklung dieser Schöpfung auch Evolution als Entstehung und Entwicklung von wesentlich Neuem aus einem Vorgegebenen geben kann, mit dem dieses Neue durch ein komplexes Spiel von Kontinuität und Wandel verbunden ist." (Lisa Nimmervoll/Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 7. 2005)

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