Die größte Pleite der US-Geschichte

31. Juli 2005, 18:34
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Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg des US-Telekomkonzerns

Die Pleite des US-Telefonriesen WorldCom gilt als der größte Bilanzskandal in der US-Geschichte.

Angefangen hatte WorldCom 1983 als Provinz-Firma im US-Bundesstaat Mississippi unter dem Namen Long Distance Discount Services. Unter der Ägide von Gründer Bernard Ebbers wurde das Unternehmen vom kleinen Billig-Anbieter für Ferngespräche durch Zukäufe zur Nummer zwei auf dem US-Markt hinter AT&T.

Telekom-Boom

Mit Beginn des Telekom-Booms 1995 benannte sich die Firma in WorldCom um. Zwei Jahre später gingen über ihre Leitungen bereits fünf Prozent der US-Ferngespräche.

Die Firma stellte sogar die Telefon-Hotline zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml. Auf den internationalen Markt stieß WorldCom 1999 durch die Übernahme des US-Telefonkonzerns MCI vor.

MCI WorldCom mit zuletzt 20 Mio. Kunden scheute keine Kosten, um AT&T zu überflügeln und zur Nummer eins auf dem US-Telefonmarkt zu werden. Dabei half der Firma vor allem der Börsen-Hype und der Boom der Telekommunikationsmärkte.

Geplatzte Fusion

Doch im Juni 2000 verbot das US-Kartellamt eine Fusion mit der Sprint-Gruppe. Die anschließende Talfahrt der Telekom-Werte an den Börsen zog auch die WorldCom-Aktie in den Keller.

Im Juni 2002 geriet WorldCom wegen gefälschter Bilanzen ins Visier der US-Börsenaufsicht SEC. Das Unternehmen räumte Falschbuchungen in Höhe von 3,85 Mrd. Dollar ein.

Die Aktie des Telekomriesen stürzte auf einen Tiefststand von sechs US-Cent, bevor ihre Notierung von der Technologiebörse Nasdaq ausgesetzt wurde. Anleger verloren Milliarden und 20.000 Beschäftigte ihre Jobs.

Bilanzschwindelei

Firmengründer Ebbers war bereits im April 2002 zurückgetreten. Es räumte ein, bei der eigenen Firma Kredite in Millionenhöhe aufgenommen zu haben. Im März diesen Jahres befand ihn eine Jury der Bilanzschwindelei in Höhe von elf Mrd. Dollar für schuldig. Am Mittwoch sollte das Strafmaß verkündet werden.

Der Konzern ist drei Jahre nach dem Skandal wieder fast aus den roten Zahlen. Bereits im Juli 2002 flüchtete sich WorldCom unter das schützende Dach des US-Konkursrechts, um unter dem Namen MCI an seiner Sanierung zu arbeiten.

Heute steht MCI vor der Übernahme durch den Konkurrenten Verizon, der damit gegen AT&T seine Spitzenstellung auf dem US-Telefonmarkt verteidigen will. (APA/dpa)

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