Das Ende eines amerikanischen Traums

31. Juli 2005, 18:34
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Vom Milchmann zum mächtigen Konzernchef - Und dann für 25 Jahre hinter Gitter

Washington - Vom Milchmann, Rausschmeißer und Sportlehrer zu einer der mächtigsten Figuren der US-Telekombranche: Früher verkörperte Bernard Ebbers den amerikanischen Traum. Heute aber ist er nur noch der personifizierte Albtraum aller Anleger.

Der Gründer des Skandal- und Pleitekonzerns WorldCom ist ebenso steil abgestürzt wie er einst nach oben schoss. Von einer Richterin in New York wurde der 63-jährige Selfmademan am Mittwoch zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt.

Bereits im März war Ebbers von einer Jury wegen Bilanzschwindeleien in Volumen von elf Milliarden Dollar für schuldig befunden worden.

Unglaubwürdig

Die Geschworenen wollten Ebbers nicht abkaufen, dass er von den Finanz-Tricksereien in seinem Konzern nichts gewusst habe. Der für seine Detailversessenheit bekannte Tycoon, der sich sogar über die Kaffee-Kosten in seiner Firma den Kopf zerbrach, wollte die ganze Schuld auf seinen früheren Finanzchef Scott Sullivan schieben.

Die Juroren aber hielten Sullivan für glaubwürdiger. Dieser sagte als Kronzeuge aus, Ebbers habe seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt, die Bilanzen zu frisieren.

Erdbeben in der Finanzwelt

Der WorldCom-Skandal hatte vor drei Jahren ein Erdbeben in der Finanzwelt ausgelöst. Nachdem der Konzern einräumen musste, über eineinhalb Jahre hinweg 3,85 Milliarden Dollar an Ausgaben für gemietete Telefonleitungen als Investitionen statt als laufende Kosten verbucht zu haben, stürzte die Aktie um mehr als 90 Prozent ab.

Anleger verloren Milliarden und 20.000 Beschäftigte ihre Jobs. WorldCom flüchtete sich im Juli 2002 unter das schützende Dach des US-Konkursrechts, um unter dem Namen MCI an seiner Sanierung zu arbeiten - es ist der bis heute größte Konkurs der US-Geschichte.

Ebbers aber musste mitansehen, wie nicht nur sein Ruf, sondern auch sein Reichtum schwand. Erst vor wenigen Tagen willigte er ein, fast sein gesamtes Restvermögen abzustoßen, um Forderungen früherer Anleger von etwa 45 Millionen Dollar zu begleichen.

Gescheiterte Karriere

Damit ist die Karriere eines außergewöhnlich charismatischen und durchsetzungsfähigen Aufsteigers dramatisch gescheitert. Ebbers, der als Sohn eines Handlungsreisenden in Kanada geboren wurde, stieg als Betreiber einer Motel-Kette im US-Südstaat Mississippi in das Geschäftsleben ein.

Mit Freunden gründete er Anfang der achtziger Jahre eine kleine Telefongesellschaft, die er über die Jahre hinweg durch eine Serie von Aufkäufen zu einem Giganten hochzog.

Nebenher sorgte der 1,90-Meter-Hüne auch durch sein unkonventionelles Auftreten für Aufsehen: Wegen seiner Vorliebe für Jeans und Cowboystiefel wurde er der "Telekom-Cowboy" genannt.

Konkurrenten geschluckt

Sein spektakulärster Coup gelang Ebbers 1997, als WorldCom zum Preis von 40 Mrd. Dollar den Konkurrenten MCI schluckte. Zwei Jahre später, als Ebbers zum Preis von mehr als 115 Mrd. Dollar den Rivalen Sprint aufkaufen wollte, schoben die Wettbewerbshüter aber einen Riegel davor.

Dieser Rückschlag, verbunden mit einem allgemeinen Abwärtstrend auf dem Telekommunikationsmarkt, war der Anfang vom Ende von WorldCom. Die Bilanzpfuschereien, mit denen der Konzern seine immer schwierigere Lage zu kaschieren suchte, begannen kurz danach.

Und Ebbers, der für seine privaten Anlagen Kredite bei der eigenen Firma aufgenommen hatte, stand schließlich mit 366 Mio. Dollar bei WorldCom in der Kreide. Als er deshalb mit Ermittlungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC konfrontiert wurde, trat er im April 2002 vom Unternehmensvorsitz ab - kurz bevor der Bilanzskandal aufflog. (APA)

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