Wien: Haft für Erpressung in Schule

15. Juli 2005, 08:25
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17-Jähriger soll in Wien Mitschüler wochenlang bedroht haben - einige Lehrer dürften von der Situation gewusst haben

Wien - 50 Euro war meistens der Preis, um keine Schwierigkeiten zu bekommen. "Er hat gesagt, ich soll es entweder mitbringen oder er bringt mich um. Ich hatte Angst, dass er diese Drohung wahr machen könnte", schildert das 17-jährige Opfer am Mittwoch im Landesgericht seine Zwangslage in einer Wiener Berufsschule. Dort wurde der junge Mann zwei Monate lang von einem gleich alten Mitschüler erpresst. Insgesamt 620 Euro soll sich der Täter so verdient haben, der nun zu 18 Monaten Haft, davon drei unbedingt, verurteilt worden ist. Der Richterspruch ist noch nicht rechtskräftig.

Das Opfer galt als Außenseiter in der vorwiegend von türkischstämmigen Schülern besuchten Klasse. Immer wieder wurde er von den anderen Teenagern gehänselt, als der Wortführer Geld verlangte, begann er zu zahlen. Ein Teil der Lehrer dürfte von der Situation gewusst haben, eingegriffen hat aber niemand.

Ebenso wenig wie die Polizei, wie sich bei der Verhandlung zeigte. Dort war der Bursche erschienen, um seinen Erpresser anzuzeigen, allerdings mit der Bemerkung "Vertragt's euch" wieder weggeschickt worden. Erst als der Vater Mitte Mai auf dem Wachzimmer erschien, wurden die Beamten aktiv und verhafteten den Erpresser.

Geld für Handyrechnung

Auf der Anklagebank zeigte sich der Täter, der mit dem Geld seine Handyrechnung bezahlte, zerknirscht. "Es tut mir Leid! Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe", beteuerte er. Wie sein Verteidiger erläuterte, waren die strenggläubigen Eltern des 17-Jährigen im Tatzeitraum auf Pilgerfahrt und hatten dem Burschen kein Geld da gelassen. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe 14.7.2005)

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