Frankreichs Innenminister Sarkozy verklagt Schweizer Zeitung

22. Juli 2005, 14:21
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Eheprobleme veröffentlicht - Nur symbolischer Schadenersatz, aber Gegendarstellung gefordert

Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy hat gegen die Westschweizer Zeitung "Le Matin" eine Klage wegen Verletzung der Privatsphäre eingereicht. Er wirft der Tageszeitung vor, sich im Mai in verschiedenen Artikeln über seine Eheprobleme ausgelassen zu haben.

Sarkozy zieht deshalb gegen "Le Matin" und das Verlagshaus Edipresse im französischen Thonon-les-Bains am Genfersee vor Gericht, wie die Boulevard-Zeitung in ihrer Mittwochausgabe schreibt. Er verlangt einen symbolischen Schadenersatz von einem Euro.

Wichtiger ist dagegen seine Forderung nach Gegendarstellung: Das Urteil soll an fünf aufeinander folgenden Tagen in der Zeitung abgedruckt und während vier Tagen auf der Internet-Seite des "Matin" aufgeschaltet werden.

Verletzung der Privatsphäre

"Der oberste französische Polizist bestreitet den Wahrheitsgehalt unserer Artikel nicht, er findet aber, dass wir mit der Publikation seine Privatsphäre verletzt haben", sagte Chefredaktor Peter Rothenbühler der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Der künftige Präsidentschaftskandidat habe in der Vergangenheit aus freien Stücken die öffentliche Aufmerksamkeit auf seine Familie, seine Ehe und seine Gefühle gezogen. Nun wo das harmonische Bild Risse bekommen habe, verlange er den absoluten Respekt vor seiner Privatsphäre, sagte Rothenbühler.

"Le Matin" muss nun in den nächsten zwei Monaten vor Gericht erscheinen. Dass der bürgerliche Politiker in Frankreich klagen darf, liegt unter anderem daran, dass "Le Matin" auf der französischen Seite des Genfersees rund 500 Exemplare verkauft. (APA/dpa)

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