Schäden wie nach Jahrhundertflut in Salzburg

15. Juli 2005, 19:48
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Murenabgänge haben besonders schwere Verwüstungen angerichtet - Vorkehrungen für kommende Regenfronten gefordert

Salzburg/Mittersill/Sankt Pölten/Linz/Wien - Das Hochwasser der vergangenen Tage habe das Land ähnlich stark getroffen wie die Jahrhundertflut im Jahr 2002, vergleicht Markus Kurz vom Katastrophenreferat der Salzburger Landesregierung. Woanders zwar: 2002 etwa in den Gemeinden Golling und Kuchl, heuer vor allem in Mittersill - "doch alles zusammengenommen könnte die Schadenshöhe durchaus vergleichbar sein".

Viele Murenabgänge

Diese hatte nach den Überflutungen und Murenabgängen im August vor drei Jahren in Salzburg 168 Millionen Euro betragen - bundesweit waren damals Schäden im Wert von 2,3 Milliarden Euro eingetreten. 168 Millionen Euro wegen kaputter Straßen und Kanalisationen, wegen gefluteter Ölheizungen und Kellereinrichtungen in Privathäusern, wegen ausgefallener Ernten auf verschlammten landwirtschaftlichen Flächen. Und wegen der vielen Murenabgänge.

Murenabgänge hätten diesmal besonders schwere Verwüstungen angerichtet, schildert Kurz. "Großflächig im ganzen Land, nicht nur lokal" hätten die sintflutartigen Regengüsse Hänge aufgeweicht und zum Abrutschen gebracht - "in der Nähe von Badhofgastein im Pongau auf einer Straßenstrecke von nur fünf Kilometern etwa alle paar hundert Meter".

Mit dem Aufräumen waren unterdessen die Flutgeschädigten in Mittersill beschäftigt; das Wasser hatte sich bis Mittwoch wieder ins Bett der Salzach zurückgezogen. Über Teilen der Stadt lastete Heizölgeruch, doch "das Problem mit geborstenen Öltanks haben wir in Griff", sagte Bürgermeister Wolfgang Viertler.

Die Solidarität beim Schlammkehren sei groß, lobte Viertler, bei der Finanzhilfe werde sie es nicht minder sein, kündigte am Mittwoch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) an. Der Katastrophenfonds des Landes werde die Finanzhilfe "rasch und unbürokratisch" auszahlen.

An Katastrophe vorbei

Hilfe, wie sie in anderen Bundesländern im großen Stil nicht nötig sein dürfte: "Hochwasser? Ein richtiges Hochwasser hat es bei uns nicht gegeben", war etwa beim oberösterreichischen Feuerwehrkommando zu erfahren. Weder in Steyr an der Donau noch in murenträchtigem Gebiet sei es zur Katastrophe gekommen, "zum Glück". Auch in der Steiermark und in Niederösterreich hatte sich die Lage bis Mittwoch normalisiert.

Forcierte Vorkehrungen

Also müsse es jetzt darum gehen, forciert Vorkehrungen für kommende Regenfronten zu treffen, betonten Experten und Politiker bundesweit. An der Donau, wo laut Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka (ÖVP) in 25 Gemeinden Dämme, Mauern oder mobiler Hochwasserschutz in Bau oder in Planung seien. Aber auch in Mittersill, wo laut dem Salzburger Landesrat für Wasserwirtschaft, Sepp Eisler (VP) jetzt in Richtung Bau des Hochwasserschutzes "Druck gemacht" werden müsse.

Der diesbezügliche, seit zwanzig Jahren gewälzte Plan war immer wieder an Einwänden der Grundstücksinhaber in unmittelbarer Salzachnähe gescheitert. Bis vor einer Woche, als der Gemeinderat sein O.K. gab - der Regen hatte noch nicht begonnen. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 14.7.2005)

Spendenkonto des Landes Salzburg: Nummer 2.600.000, BLZ 55000, Landeshypothe- kenbank Salzburg, Kennwort "Katastrophe"
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    Aufräumungsarbeiten nach dem Hochwasser in Mittersill

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