Rekordpreise in London für Canaletto

18. Juli 2005, 20:42
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Londoner Aktionen: Canaletto war Star, Franz Xaver Messerschmidt ging ganz gut, besser schlug sich Giambologna

Franz Xaver Messerschmidt ging ganz gut, besser schlug sich Giambologna. Aber Star der Auktionen, die vergangene Woche von Sotheby's und Christie's in London abgehalten wurden, war mit deutlichem Vorsprung Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto.


London - Zuerst hielt der Rekord 13 Jahre, dann gerade einmal 24 Stunden: Im April 1992 versteigerte Christie's Canalettos Londoner Motiv The Old Horse Guards für damals gigantische 9,2 Millionen Pfund (oder umgerechnet 13,65 Millionen Euro). Diesen Rekord für das 1749 gemalte Werk überholte man im eigenen Haus, als am 6. Juli Das Bucintoro am Molo zu Christi Himmelfahrt zur Auktion gelangte. Das zwischen einem Telefon- und einem Saalbieter um die italienische Vedute ausgetragene Bietgefecht entschied sich erst bei 16,8 Millionen Euro zugunsten des anwesenden Privatiers.

Die Freude der Experten in der King Street war groß, hielt sich allerdings nur wenige Stunden, da bei den Kollegen in der Bond Street für eine weitere venezianische Ansicht ein Mehrfaches bewilligt werden konnte. 27,34 Millionen Euro deponierte ein anonymer Bieter für den Blick auf Venedigs Canale Grande vom Palazzo Balbi zur Rialtobrücke. Und dieser Weltrekord ist umso beachtlicher, als hier ein einzelnes Gebot sogar über dem Gesamtumsatz des bisher stärksten Jahres liegt: 1997 belief sich dieser auf 25,41 Millionen Euro für weltweit 34 versteigerte Arbeiten. Zum Vergleich: 2004 erzielten 27 Arbeiten 1,75 Millionen.

Der große Unterschied liegt in den Kategorien, denn Gemälde sind im Vergleich zu Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken rar. Laut der amerikanischen Kunstpreisdatenbank Artprice ist das Verhältnis deutlich: Die in der Zeit von 1997 bis 2004 über Auktionshäuser verteilten Arbeiten waren zu fünf Prozent Zeichnungen bzw. Aquarelle, zu 81 Prozent Grafiken und nur zu 14 Prozent Gemälde (insgesamt 81 Werke in Öl, um genau zu sein).

Zumindest den Kunstmarkt betreffend ist die Londoner Bilanz von vergangener Woche brillant: Nicht weniger als 18 Zuschläge jenseits der Ein-Million-Pfund-Marke vermeldete Christie's. Das Haus brachte in vier Sitzungen und mit einem Einspielergebnis von fast 116 Millionen Euro die Kassen gehörig zum Klingeln: Der Sparte Old Master and 19th Century Drawings (9,82 Millionen Pfund) und dem hier erzielten Zuschlagsrekord für eine Renaissancezeichnung Andrea del Sartos (9,58 Millionen Euro) folgte die Versteigerung der Sammlung Champalimaud.

Aus der Kollektion des portugiesischen Unternehmers und Wohltäters, die am Ende fulminant reüssierte, stammte auch der 24-Stunden-Rekord-Canaletto: 44,13 Millionen Euro deponierte das Publikum für 96 Prozent des Angebotes. Am selben Tag setzte man eine Auswahl Important European Furniture, Sculpture and Carpets ab, wobei sich eine Antonio Susini zugeschriebene Bronzegruppe nach einem Modell Giambolognas mit 3,45 Millionen Euro an die Spitze setzte (14,62 Millionen Euro).

Am Freitag trennte man sich von 76 Prozent der angebotenen Important Old Master Pictures (30,18 Millionen Euro). An die Spitze des Top-Ten-Rankings hob das Getty Museum für 6,37 Millionen Euro Francesco Guardis vor kurzem den Nachkommen von John und Anna Jaffee restituierte Ansicht des Canale Grande.

Nicht ganz so lukrativ gestalteten sich die fünf Sitzungen in der Bond Street. Zum Auftakt versteigerte Sotheby's die Sammlung von Robert Wills, aus der das Turner-Aquarell Lake of Lucerne entgegen den erwarteten 400.000 bis 800.000 Pfund für derer 1,85 Millionen an den Kunsthändler Richard Green weitergegeben werden konnte. Old Master Drawings (1,71 Millionen Pfund), Important Old Masters (50,9 Millionen Pfund) sowie European Sculpture & Works of Art (2,65 Millionen Pfund) sorgten für einen Wochenumsatz von 53,92 Millionen Pfund (78,56 Millionen Eurp). In letzterer Sparte überzeugte ein Alabaster-Charakterkopf (Vom Ertrinken gerettet) des österreichischen Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt nur bis zu etwas mehr als einer Million Pfund und konnte an den Erfolg vom Jänner dieses Jahres nicht anschließen. Damals hinterlegte der Louvre in New York 4,83 Millionen Dollar - für einen schlecht gelaunten Mann.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2005)

Von Olga Kronsteiner
  • Messerschmidt: Die Alabasterbüste "Vorm Ertrinken gerettet" konnte den Erfolg, den der "schlecht gelaunte Mann" im Jänner in New York erzielte, nicht wiederholen.
    foto: sotheby's

    Messerschmidt: Die Alabasterbüste "Vorm Ertrinken gerettet" konnte den Erfolg, den der "schlecht gelaunte Mann" im Jänner in New York erzielte, nicht wiederholen.

  • Rekordbrecher nach 13 Jahren: Canalettos "Bucintoro am Molo", bei Christie's um 13,65 Millionen Euro versteigert. Trotzdem hielt der Rekord nur einen Tag ...
    foto: christie's

    Rekordbrecher nach 13 Jahren: Canalettos "Bucintoro am Molo", bei Christie's um 13,65 Millionen Euro versteigert. Trotzdem hielt der Rekord nur einen Tag ...

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