Sommerakademie tagte in Schlaining im Burgenland

26. Juli 2005, 14:22
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Stadtschlaining – Die Zusammenhänge von Ökonomie und Krieg, die internationale Rüstungspolitik, aber auch die zunehmende Aushöhlung staatlicher Gewaltmonopole in Afrika und Europa waren die zentralen Themen der diese Woche stattfindenden 22. Internationalen Sommerakademie in Stadtschlaining. Rund 400 Konferenzteilnehmer hatten sich in der burgenländischen Ortschaft eingefunden, um mit namhaften Politologen und Wirtschaftsexperten über die aktuellen politischen Themen zu diskutieren.

"Wir müssen auf erneuerbare Energien umsteigen, sonst droht das Chaos", prophezeite der frühere Berliner Politikprofessor und Autor Elmar Altvater bei seinem Vortrag am Montag. Das Erlöschen der Erdölvorräte in den nächsten 30 bis 40 Jahren und der steigende Bedarf nach dem schwarzen Gold würden immer öfter zu Kriegen wie etwa im Irak führen, so Altvater. Die geringen Investitionen der Staatengemeinschaft in erneuerbare Energien führte er auf den engen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Öl zurück. Das Öl sei der Motor des Wirtschaftswachstums seit der industriellen Revolution gewesen. Wer auf andere Energiequellen setzt, müsse das ganze System überdenken, so Altvater. Die Weltwirtschaft habe daran natürlich kein Interesse.

Der Krieg gegen den Terror im Internet ist das zentrale Thema eines von insgesamt zehn angebotenen Workshops in der Sommerakademie, die vom Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) organisiert wird.

Virtueller Krieg gegen den Terror

Seit dem Angriff der Nato 1999 auf Serbien ist laut Ronald Tuschl vom European University Center for Peace Studies auch das Internet zum virtuellen Austragungsort bewaffneter Konflikte geworden. Damals hätten Hackergruppen Angriffspläne der Nato aus dem Netz entwendet und sie an Serbien verkauft. Solche gezielten Angriffe sind laut Tuschl noch die Ausnahme, primär werde das Internet von Terrorgruppen nur für Propagandazwecke benutzt. "Nach der Zerschlagung der Al-Kaida- Basen in Afghanistan wird sich die Kommunikation der Terroristen immer mehr ins Netz verschieben", erklärte Tuschl im Interview mit dem STANDARD.

Nach den Anschlägen von London könnten nun auch Mail-Inhalte, und nicht nur Mail- Kontakte, wie es der britische Innenminister Charles Clarke vorgeschlagen hat, verstärkt überwacht werden. Die Effizienz von Programmen wie etwa "carnivore", mit dem unter anderem Mails nach Schlüsselwörtern durchleuchtet werden können, sei noch gering, so Tuschl. Sind solche Maßnahmen sinnvoll? "Nein, das Ganze hat einen totalitären Charakter. Die Bürgerrechte werden eingeschränkt. Und ob dadurch auch nur ein Terrorist gefasst werden kann, ist fragwürdig", meint Tuschl. (András Szigetvari/ DER STANDARD, Print, 14.7.2005/red)

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    Das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung im Burgenland.

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