Lügen-Knigge: Nagl auf Distanz zur Steirer VP

28. Dezember 2005, 14:04
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Grazer Bürgermeister verurteilt "Weg, den die Landes-VP beschritten hat" - Medien sollten Absender von "getürkten" Leserbriefen besser prüfen

Bei einer Präsentation der neuen Bezirksobleute der Grazer ÖVP verurteilte der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl den "Weg, den die Landespartei beschritten hat". Die Medien sollten ihrerseits die Absender von "getürkten" Leserbriefen künftig besser überprüfen, so Nagl.

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Graz - Eigentlich wollte der Grazer Bürgermeister, Siegfried Nagl (ÖVP), der zuletzt wegen seiner Aussagen zum EU-Beitritt der Türkei und der historischen "Türkenbelagerung" Schlagzeilen machte und die Mehrheit des Grazer Gemeinderates gegen sich aufbrachte, am Mittwoch den "frischen Wind" in der Grazer ÖVP präsentieren. Auf der Ebene der Bezirksparteiobleute und Gemeinderäte "drängen immer mehr Frauen in die einst als alte Männerpartei verschriene ÖVP", kommentierte der Stadtparteigeschäftsführer Sven Pöllauer eine von der ÖVP in Auftrag gegebene Studie beim Pressegespräch mit Nagl.

Doch die aktuelle Causa Prima rund um ein internes Papier der Landes-ÖVP, in dem Mitarbeitern das Schreiben fingierter "unsachlicher und untergriffiger" Leserbriefe und Postings erklärt wird, wurde auch bei diesem Termin zum Thema. "Wer immer diesen falschen Weg beschritten hat, sollte das schnellstens bereinigen", forderte Nagl, der sich von solchen Wahlkampfmethoden "klar distanziert". Dass nur ein einzelner Mitarbeiter, nämlich der Verfasser des Leitfadens, Peter Puller, verantwortlich sei, sieht Nagl anders: "Die Landespartei muss das verantworten", deshalb habe sich Landeshauptfrau Waltraud Klasnic schließlich auch in einem offenen Brief entschuldigt.

Auch die Junge ÖVP (JVP), die am Mittwoch ein "Personenkomitee gegen Franz Voves", also gegen Klasnics SP- Konkurrenten bei der Landtagswahl im Oktober, samt neuer Homepage präsentierte, wurde von Nagl gerügt: "Ich halte von dieser Aktion nichts. Das ist absolut überflüssig. Wir haben einen anderen Weg beschritten, denn es geht um die besseren Ideen."

"Getürkte" Briefe

Über die Sinnhaftigkeit von Leserbriefseiten in diversen Zeitungen müsse man in Zukunft prinzipiell nachdenken, findet Nagl, denn "die meisten dieser Briefe sind doch getürkt. Da sollten die Redaktionen sich öfter mit den Absendern durch einen Anruf rückkoppeln und schauen, ob diese überhaupt existieren." (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 14.07.2005)

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    Der Grazer Siegfried Nagl distanziert sich von seiner Landespartei.

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