Formschwäche traf Harmoniedefizit

18. Juli 2005, 14:23
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Für die Beurteilung von Red Bull Salzburg müssen schon noch einige Meisterschaftsrunden abgewartet werden - Das 1:3 zum Auftakt beim GAK bestätigte aber Vorahnungen

Graz - Die Bullen sind maximal in Pamplona los, wo heute die Fiesta zu Ehren von San Fermín nach neun Tagen zu Ende geht. Die Stiere dort feiern in den Straßen der Stadt auf ihrem Weg zur todbringenden Corrida zwar einige schöne Teilerfolge in der Masse lebensmüder Touristen, am Ende steht aber immer der unbarmherzige Schnitter in Matadorengestalt. Vielleicht hatte Trainer Walter Schachner ja die spanische Sommerhetz im Kopf, als er Dienstagabend, nach dem verdienten Sieg des GAK über Red Bull Salzburg, nach einem Gleichnis aus dem Stierkampf griff: "Dort werden die Bullen nach zwanzig Minuten hinausgetragen, bei uns hat's eben 93 oder 94 Minuten gedauert."

Sie war also spannend, diese Partie zum Auftakt der T-Mobile-Bundesligasaison, nicht hochklassig, aber spannend. Weil der klar dominierende Vizemeister zwar "genau die Taktik umgesetzt hat" (so Schachner, der den Erfolg dem schwer kranken Sportdirektor Hannes Weninger widmete). Umgesetzt wurde aber nur rund eine Stunde lang. Nach dem 2:1 ließen die Grazer die Bullen quasi kurz auskommen und Druck machen.

In den so entstehenden Räumen konnte die zusammengekaufte Truppe von Kurt Jara die Defizite verstecken, die vor der Pause offensichtlich waren. Es fehlte natürlich an Harmonie. Im Mittelfeld wurden weite Wege gescheut (Roland Kirchler und Markus Schopp hob Jara tadelnd hervor), im Angriff wirkten Vratislav Lokvenc und Christain Mayrleb noch formschwach.

In der Abwehr wurde der an sich starke Alexander Knavs nicht nur vom blendenden GAK-Duo Martin Amerhauser/Mario Bazina, sondern auch von seinen Nebenleuten Sebastian Miranda, Alexander von Schwedler und Jürgen Pichorner schwindelig gespielt. Gerade da könnte es an Qualität fehlen, die sonst im Kader reichlich vorhanden ist.

Nerven hat man

"Wir wussten schon vorher, dass noch viel Arbeit auf uns wartet. Es war ein Sieg des besseren Kollektivs, der Ausgleich wäre schmeichelhaft gewesen", kommentierte Teamspieler Schopp bemerkenswert beherrscht. Schließlich egalisiert man nicht alle Tage fast in letzter Minute per Elfmeter, muss nochmals zum Strafstoß antreten, weil einige Spieler zu früh los gesprintet sind, und vergibt dann knapp. "So gesehen müsste man jeden Elfmeter achtmal wiederholen", grollte Jara vernehmlich.

Dabei war Referee Fritz Stuchlik während des Spiels wegen angeblicher Salzburg-Lastigkeit eher Buhmann des Grazer Publikums. Die einfach gestrickte Schlussfolgerung Mateschitz-Geld-Bestechung werden in dieser Saison noch viele Unparteiische zu hören bekommen. "Besser, beide Seiten sind böse auf mich, als beide Seiten lachen über mich", sagte der Wiener Schiedsrichter. Das erste Saisonspiel, so Stuchlik, diene ihm im Gegensatz zu den Vereinen nicht zur Standortbestimmung. "Ich weiß schon, wo ich stehe. Außerdem hat die UEFA für heuer als einen Schwerpunkt die Strafstoßausführung festgelegt."

Salzburgs Schwerpunkt liegt ab Freitag auf Kunstrasen. Jara ließ bisher nur Natur unter die Sohlen seiner Profis. Am Mittwoch kommt jedoch Mattersburg zur Heimpremiere nach Wals-Siezenheim. Dort wird in dieser Saison noch auf Kunststoff gegrast.(DER STANDARD Printausgabe, 14. Juli 2005)

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