"Die Hochzeits-Crasher": Bis dass der letzte Fang euch scheidet

14. Juli 2005, 19:01
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Der komischste Beitrag zum Sommerkino: Owen Wilson und Vince Vaughn in David Dobkins "Die Hochzeits-Crasher"

Owen Wilson und Vince Vaughn tanzen in David Dobkins Romantic Comedy Die Hochzeits-Crasher als professionelle Aufreißer auf fremden Hochzeiten – der komischste Beitrag zum Sommerkino ist da!


Wien – Jede Form der Jagd hat ihre eigene Saison. Für die beiden Scheidungsschlichter John Beckwith (Owen Wilson) und Jeremy Grey (Vince Vaughn) ist es der Frühling, denn dann treten wieder die meisten Paare vor den Traualtar. Nicht ihre Profession, sondern ihre professionelle Kenntnis von Hochzeitsgelagen lässt diese Zeit für die beiden überzeugten Junggesellen so verführerisch erscheinen:

Sie wissen um die aphrodisierende Wirkung dieser Feierlichkeiten. John und Jeremy stauben dort ab. Sie fischen im vollen Teich. Als Hochzeits-Crasher / Wedding Crashers tanzen sie sich auf fremden Hochzeiten in die Herzen der Frauen.

Das geht dann etwa so: Jeremy gaukelt den traumatisierten Familienvater vor, der in der Kinderecke Zaubertricks vorführt und sich damit als sensibler Mann mit ernsten Absichten inszeniert. John dagegen mimt den Sonnyboy, der mit Sprüchen wie "Wussten Sie, dass wir nur zehn Prozent unserer Herzen nutzen?" die Pulsfrequenz junger Frau en in die Höhe schnellen lässt. Gemeinsam haben sie ein Regelwerk entworfen, das Misserfolge ausschließt. Eine fulminante Montage, die zu Shout von The Isley Brothers das Knallen von Sektkorken mit dem Ins-Bett-Fallen barbusiger Opfer variiert, zeigt ihre Trefferquote an.

Hochzeitsrenaissance

Die Hochzeits-Crasher, inszeniert von David Dobkin (Shanghai Knights), ist ein Vertreter jener "broad comedies", auf die sich das US-Kino bestens versteht. Mehr als in anderen populären Genres werden darin gesellschaftliche Normen und Werte auf burleske Weise attackiert und immer noch geltende Regeln des guten Geschmacks sabotiert. Das Hochzeitsthema, bereits in den 30ern und 40ern ein beliebter Topos, erlebt dabei eine Renaissance: Meet the Fockers ließ etwa zuletzt – mit immensem Erfolg an den Kinokassen – rund um ein Brautpaar das liberal-hedonistische und konservativ-paranoide Amerika anhand zweier Schwiegereltern aufeinander los.

Auch in Die Hochzeits-Crasher werden zwei Lebens entwürfe gleichermaßen persifliert (und das Duell letztlich durch die logische Auflösung einer Romantic Comedy maßvoll entschieden): Zum einen geht es, in bester Buddy-Movie-Tradition, um die männliche Malaise der beiden Helden, deren Aufreißertum chronisch und kaum mehr therapierbar erscheint. Sogar ihnen selbst fällt bereits auf, dass sie für ihre Handlungen schon ein wenig zu alt sind. Owen Wilson zeigt dabei als der verträumte John mehr Wille zur Einkehr als der notorisch sexfixierte Jeremy von Vince Vaughn, der sich mit unglaublichem Sprechtempo (unbedingt das Original besuchen!) endgültig als großartiger Komiker durchsetzt.

Familie als Gegenpart

Die Gegenseite dazu stellt die auch hier nicht minder labile Großfamilie dar, die von Christopher Walken milde autoritär angeführt wird, eine nymphomanische Ehefrau (Jane Seymour), eine rassistische Großmutter, einen homosexuellen Sohn und natürlich die beiden Töchter Claire (Rachel McAdams) und Gloria (Isla Fisher) vorweisen kann, die die Schwerenöter über etliche Kalamitäten veranlassen, von ihrer ureigenen Disziplin Abstand nehmen zu wollen.

Regisseur Dobkin gelingen vor allem in dem Teil des Films, in dem sich John und Jeremy unerkannt im familiären Umfeld bewegen, ganze Gagserien – von versteckten Masturbationsszenen beim voll versammelten Dinner bis zu nächtlichen Begegnungen in bester Boulevardtradition (Jeremy: "I felt like Jodie Foster in The Accused last night"). Auch wenn er gegen Ende die Geschwindigkeit drosselt und das unausweichliche Ende der Jagdsaison bekannt gibt, bricht er mit dem Auftritt von Jeff (Will Ferrell), dem Erfinder des Crashings, nochmals in ungeahnte Dimensionen "abgründigen" Humors vor: Der ist nämlich von Hochzeiten auf Begräbnisse umgesat telt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2005)

  • Bei
Hochzeiten
immer in der
ersten Reihe,
im Zentrum
des
Geschehens
und nie
eingeladen:
John (Owen
Wilson, li.)
und Jeremy
(Vince
Vaughn), 
die beiden
Schwerenöter
in David
Dobkins 
"Die
Hochzeits-Crasher"
    foto: warner

    Bei Hochzeiten immer in der ersten Reihe, im Zentrum des Geschehens und nie eingeladen: John (Owen Wilson, li.) und Jeremy (Vince Vaughn), die beiden Schwerenöter in David Dobkins "Die Hochzeits-Crasher"

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