Signifikantes "Wohlstandsgefälle" im Sparverhalten

21. Juli 2005, 11:43
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Laut Umfrage glaubt eine Mehrheit weniger sparen zu können als früher - Wer Geld zur Seite legen kann, greift zu höher verzinsten Veranlagungen

Wien - Ein signifikantes Wohlstandsgefälle auch im Sparverhalten zeigt eine neue Umfrage des Fessel-Gfk-Instituts im Auftrag der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) auf. Während Junge, Berufstätige und dabei wieder besser Verdienende glauben, in den nächsten drei Jahren mehr zu sparen als heute, haben viele Menschen über 50, die wenig verdienen oder sozial schlechter gestellt sind, das Gefühl, noch weniger auf die Seite legen zu können als bisher. Noch dazu wenn sie in der Ostregion (Wien, Niederösterreich, Burgenland) leben.

52 Prozent der Befragten gaben schon bei der heurigen Umfrage im Rückblick an, heute weniger sparen zu können als vor drei Jahren. Und für die nächsten drei Jahre geben wieder 41 Prozent an, in den kommenden drei Jahren weniger auf die hohe Kante legen zu können als jetzt.

Hauptmotiv Notgroschen

Hauptmotiv fürs Sparen sei in Österreich immer der "Notgroschen", argumentieren die Umfrageexperten. Das beziehe sich aber nicht darauf, "dass ich das Sparbuch nehme, wenn ich den Job verliere", berichtete Alexander Zeh von Fessel-Gfk nach Auswertung der Interviews mit rund tausend Österreichern. Man greife da eher zum Sparbuch, wenn die Waschmaschine kaputt gehe.

Dass ganz kleine Sparer, die geringe Summen anlegen, vor allem wenn sie täglich fällig anlegen, durch die sehr niedrigen Zinsen bei den jetzigen Inflationsraten real einen Verlust auf ihrem Sparkonto einfahren, ist evident. Das täglich fällige Sparbuch ist deshalb der absolute kurzfristig verfügbare "Notgroschen". Wer mehr anlegen will und vor allem kann, wählt eher höher verzinste Anlagen, Wertpapiere, Fonds und zuletzt immer mehr Immobilien-Investments.

Sparbuch verliert an Bedeutung

Wer 10.000 Euro disponibel hat, legt das - so ergab die Umfrage - meist gewinnbringender an. Nur mehr 34 Prozent würden eine solche Summe heute neu auf ein normales Sparbuch legen. Vor einem Jahr wären es noch 49 Prozent gewesen. Das Sparbuch bleibt aber dennoch leicht in Führung. Forciert werden heute aber etwa Wertpapiere oder Immobilien-Investments. Wer 1.000 Euro anlegen will, würde neben dem klassischen Sparkonto Bausparen, in Lebensversicherungen oder Pensionsvorsorge oder Immobilien-Anlagen gehen oder Wertpapiere kaufen. Aufs Sparbuch kämen "frische" 1.000 Euro auch nur mehr bei 49 Prozent der Befragten. Ein Jahr vorher hätten noch 60 Prozent der Anleger das Geld einmal aufs Sparbuch oder auf die Spar-Card gelegt.

Seine Entsprechung hat die "Sparvermögenszuwachsverteilung" in den Bankbilanzen: Bei der BA-CA hat es laut Vorstand Willi Cernko im ersten Quartal 2005 ein "leichtes" Wachstum der Spareinlagen gegeben, im "unteren einstelligen Bereich". Sehr dynamisch hingegen legten Fonds oder Versicherungsprodukte zu, da gab es deutlich zweistellige Zuwachsraten. Der von der Bank aufgelegte "Osteuropafonds" etwa gehe weg wie die warmen Semmeln.

Was man in den eigenen Zahlen nicht sehe, sei die in den Umfragen erkennbar gewordene schrumpfende Bedeutung des Sparbuchs. "Das hat man in unseren Daten so jedenfalls nicht gesehen", sagte Cernko.

Im Durchschnitt - also quer durch alle Einkommensschichten - geben die Befragten an, 160 Euro im Monat sparen zu können. Laut Cernko kommt diese Selbsteinschätzung der reinen Statistik aus der Geldvermögensbildung sehr nahe. Demnach legen Herr und Frau Österreicher im Monat der Datenlage nach rund 180 Euro zur Seite.

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