Östrogen zur "Verteidigung" des Gehirns

14. Juli 2005, 07:00
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Studie der Mayo Klinik zeigt Zusammenhang von Gebärmutter-/ Eierstockentfernung und Parkinsonschen Krankheitserscheinungen auf

Rochester - Eine Studie der Mayo Klinik, die im Frühjahr dieses Jahres vorgestellt wurde, zeigt, dass die operative Entfernung beider Eierstöcke das Risiko einer Frau, an Parkinsonismus und der Parkinsonschen Krankheit zu erkranken, verdoppelt, bei jungen Frauen das Risiko sich sogar noch mehr erhöht.

"Die Gefahr ist größer bei den Frauen, denen beide Eierstöcke entfernt werden; jedoch könnte es bei einer einzelnen Eierstockentfernung ebenso in geringem Maße vorhanden sein", so Walter Rocca, leitender Epidemologe der Studie. "Zusätzlich zu diesen Umständen stellten wir fest, dass für Frauen, denen nur ein Eierstock entfernt wurde, die Entfernung des Uterus das Risiko erhöhen könnte."

Fest steht, dass durch die Entfernung der Sexualorgane Östrogen nicht mehr ausreichend produziert wird. Die Studie erbringt nun den Beweis, dass dieser Mangel - neben anderen Auswirkungen - zu parkinsonschen Krankheitserscheinungen führt. "Dies ist auch die erste Studie, die dieses Thema behandelt", so Roccca: "Die Entfernung beider Eierstöcke eliminiert die größte Quelle der Östrogenproduktion".

ÄrztInnen sollten informieren

Rocca hebt hervor, dass Frauen, die eine präventive Entfernung der Eierstöcke und des Uterus in Erwägung ziehen, von ihren ÄrztInnen über die Ergebnisse dieser Studie unterrichtet werden müssten. "Wie bei jeder medizinischen oder operativen Entscheidung gibt es ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiko", sagt Doktor Rocca. ÄrztInnen sollten ebenso das Alter der Patientinnen zur Zeit ihrer Operation berücksichtigen und gegebenfalls diese mit einer Östrogentherapie nachzubehandeln.

Verteidigung des Gehirns

Auch die Frauen, die mit einer Östrogentherapie behandelt wurden, bekamen Dosen verabreicht, die allgemein geringer waren, als die, welche vom Körper auf natürliche Weise in den Eierstöcken produziert wurden, und das zudem für weniger Jahre. Zudem gäbe es keine Beweise, ob diese Hormonergänzungstherapien das Risiko, an Parkinson zu erkranken, ebenso mindert wie körpereigen produziertes Östrogen.
Vorhergehende Studien der Mayo Klinik haben schon auf die Rolle des Östrogen zur Verteidigung des Gehirns bei alternden Frauen hingewiesen.

Studiendesign

Die ForscherInnen der Mayo Klinik untersuchten 1202 Frauen, welchen beide Eierstöcke entfernt wurden, und 1283 Frauen, welchen ein Eierstock entfernt wurde. Alle Frauen stammten aus der Umgebung von Olmstead County, Minnesota, aus den Jahren 1950 bis 1987. Für jede Frau, die einer Eierstockentfernung unterzogen wurde, selektierten die WissenschafterInnen eine Frau, der kein Eierstock entfernt wurde.

Von der Gruppe der "intakten" Frauen zeigten 29 Parkinsionismus, 18 davon das Parkinsonsche Syndrom. Im Gegensatz dazu erkrankte bei der Gruppe der Frauen, denen ein oder beide Eierstöcke entfernt wurden, 43 an Parkinsionismus, 35 davon an Parkinson - davon waren 25 Frauen beide Eierstöcke entfernt und zehn einer entfernt worden.

Unter Parkinsonismus ist eine Gruppe von Krankheiten zusammengefasst, die sich durch Zittern, Rigidität,langsame Bewegungen und eine Störung des Gleichgewichtssinns charakterisieren. Die Parkinsonsche Krankheit ist die häufigste Art von Parkinsonismus. (red)

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    Der Ausfall der körpereigenen Erzeugung von Östrogen hat bei Betroffenen lebenseinschränkende und schmerzhafte Wirkung.
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