Nutzbare Ressource: Die Wärme von Abwasserkanälen

21. Juli 2005, 12:03
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Wissenschafter von Arsenal Research wollen die potenzielle Energiequelle anzapfen

Wien - Die bisher völlig ungenutzte Wärme von Abwasserkanälen wollen Wissenschafter von Arsenal Research nun anzapfen. "In der Kanalisation herrschen teils ideale Bedingungen für den Einsatz von Wärmepumpen", erklärte dazu Brigitte Bach, Leiterin des Geschäftsfeldes für Nachhaltige Energiesysteme. Seitens einiger Gemeinden gibt es bereits Interesse an den neuen Technologien, in Deutschland und der Schweiz laufen bereits Demo-Anlagen.

Konstante Temperaturen

Wenn man an einem kalt-feuchten Wintertag an dampfenden Kanaldeckeln vorbei geht, kann man sich vorstellen, dass in der unterirdischen Brühe noch eine Menge Wärme-Energie steckt. Langzeit-Messungen haben ergeben, dass die Temperaturen im Abwassersystem unter den Städten erstaunlich konstant sind. Im Winter fallen sie selten unter zehn, im Sommer steigen sie kaum über 20 Grad. Im Schnitt bewegen sich die Temperaturen meist um die zwölf bis 14 Grad. Damit sind die Bedingungen für den Betrieb von Wärmepumpen laut Bach eigentlich besser als bei Anlagen, welche Erdwärme nutzen. Dabei können die Temperaturen schon auch einmal knapp an den Gefrierpunkt gehen.

Doch während für die Erdwärme-Nutzung einfach Rohre im Erdreich verlegt werden, ist die Sache bei der Kanalverlegung nicht ganz so einfach. Im Kanal selbst darf nichts verlegt werden, da sonst Verstopfungsgefahr besteht, daher werden die Wärmetauscher in der Wandung der Kanalsohle untergebracht. Die so abgeleitete Energie wird dann in der eigentliche Wärmepumpe im wahrsten Sinne des Wortes verdichtet und anschließend idealerweise zum Betrieb einer Fußboden oder Wandheizung verwendet. Durch die relativ niedrigen Temperaturen im Sommer kann der Kanal aber auch zur Kühlung von Gebäuden dienen.

Energiekarten

Derzeit sind die Arsenal-Wissenschafter dabei, so genannte Energiekarten zu erstellen. Diese sollen dann eine Entscheidungshilfe sein, wann sich eine Kanal-Wärmepumpe lohnt. Ideal ist der Einsatz beim Neubau von großvolumigen Bauten, so viel steht fest. Beachten müssen die Forscher, dass beim Einsatz von vielen Kanal-Wärmepumpen in einer Gemeinde die Temperatur des Abwassers sinkt. Damit könnte es im Extremfall zu Problemen in Kläranlagen geben. In den Kläranlagen arbeiten nämlich Mikroorganismen, die bestimmte Mindesttemperaturen brauchen.

Eine von Arsenal Research durchgeführte Analyse hat gezeigt, dass österreichweit jährlich eine Wärmemenge von mindestens 260 Gigawattstunden aus der heimischen Kanalisation gewonnen werden könnte. Diese Energie reicht aus, um zwischen 24.000 und 35.000 Wohnungen mit Wärme zu versorgen. Durch die Nutzung könnten 19 Millionen Liter Heizöl eingespart werden, was eine Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen um 74.000 Tonnen bedeuten würde. (APA)

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