Briten bestürzt über Hintergrund der Verdächtigen: "Er war ein lieber Junge"

14. Juli 2005, 16:00
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Nachbarn und Freunde reagierten mit Unglauben und Entsetzen - Berichte über Aufenthalte in Afghanistan und Pakistan

London - Bestürzt und fassungslos hat Großbritannien am Mittwoch darauf reagiert, dass die Attentäter von London möglicherweise vier junge Männer aus dem Norden des Landes sind. Zwar bestätigte die Polizei die Identität der Männer nicht, die Medien nahmen allerdings vier junge Männer aus Leeds ins Visier.

"Er war ein lieber Junge"

Nachbarn und Freunde der Verdächtigen reagierten in Interviews mit den Zeitungen voller Unglauben und Entsetzen. "Er war ein lieber Junge, der mit allen gut zurechtkam", sagte ein 19-Jähriger der Zeitung "The Times" über einen der mutmaßlichen Täter, einen 22-Jährigen Sportstudenten. Er soll Fußball und Cricket geliebt und gelegentlich im Schnellimbiss seines Vaters in Leeds ausgeholfen haben. "Er hatte einen wunderbaren Humor und brachte einen zum Lachen ... Die Vorstellung, dass er nach London gefahren sein soll, um eine Bombe zu zünden, ist unglaublich. Es liegt nicht in seiner Natur, so etwas zu tun."

Ein anderer sagte dem "Guardian", er habe noch vor zehn Tagen mit dem 22-Jährigen im Park Cricket gespielt. "Er interessiert sich nicht für Politik."

Aufenthalte in Afghanistan und Pakistan

In dieses Bild mischten sich allerdings auch andere Aspekte - in der Biografie der Männer muss es einen Bruch gegeben haben. Der Sportstudent habe im vergangenen Jahr zwei Monate in Afghanistan verbracht und vier Monate in Pakistan, sagte ein Nachbar des Mannes dem Sender ITN News. In beiden Ländern gibt es starke radikal-islamistische Strömungen und der flüchtige Al-Kaida-Chef Osama bin Laden soll hier bei Anhängern Unterschlupf gefunden haben.

Ein 19-Jähriger, der ebenfalls an den Attentaten beteiligt gewesen sein soll, hat sich Angehörigen zufolge vor wenigen Monaten grundlegend verändert und ist ein religiöser Mensch geworden. "Seine Eltern waren besorgt, weil er ziemlich aus den Gleisen geraten war. Sie wollten ihm ein bisschen Disziplin beibringen. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber vor ungefähr zwei Jahren änderte sich der Junge plötzlich und wurde tief religiös", sagte ein Cousin in "The Times".

Besorgte Eltern suchten Sohn

Einem der Männer war die Polizei auf die Spur gekommen, nachdem dessen besorgte Eltern am Tag der Anschläge eine der Notfallnummern angerufen hatten. Sie sagten einem Bericht des "Guardian" zufolge, ihr Sohn sei mit seinen Kameraden nach London gefahren und nicht zurückgekehrt.

"The Boy Bombers"

"The Boy Bombers", schrieb das Boulevardblatt "The Sun" - die "Bomben-Buben". "Selbstmordattentäter aus der Vorstadt", hieß es in der Zeitung "Daily Mail". "Es waren vier normale britische junge Männer aus normalen britischen Familien, die Fußball und Mädchen liebten ... also warum nur wurden sie zu Selbstmordattentätern?", fragte der "Daily Mirror" auf seiner Titelseite.

Die Polizei geht von vier Attentätern aus, die die Anschläge am Donnerstag verübt haben, und ermittelt derzeit, ob sie sich mit ihren Sprengsätzen gezielt in die Luft gesprengt und damit Selbstmordattentate verübt haben. Ihren Angaben zufolge ist es sehr wahrscheinlich, dass einer der vier Verdächtigen bei den Anschlägen ums Leben gekommen ist.

Medienberichten zufolge stammen die Täter aus pakistanischen Familien, sind aber in Großbritannien geboren und lebten in der nordenglischen Stadt Leeds. Die zwischen 19 und 30 Jahre alten Männer sollen demnach gemeinsam nach London gefahren sein, den Sprengstoff in Militärrucksäcken auf ihrem Rücken. Alle vier seien bei den Anschlägen ums Leben gekommen sein. (APA/Reuters)

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    Bashir Ahmed, Onkel von Shahzad Tanweer, einem der mutmaßlichen Attentäter

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