FWF-Präsident Wick wehrt sich gegen "Attacke auf die Wissenschaft"

13. Juli 2005, 20:17
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"Wenn nun behauptet wird, der Neodarwinismus sei dogmatisch, wo hingegen die Ansichten des Kardinals durch Vernunft gestützt seien, so ist dies eine völlige Verdrehung der Tatsachen"

Wien - Als "Attacke auf die Wissenschaft" bewertet der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Georg Wick, die von Kardinal Christoph Schönborn formulierte Kritik an der Evolutionstheorie. In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme kritisiert Wick Schönborns Versuch, einer bisher unwidersprochenen Theorie mit einem Dogma ("von Gott geplantes Design") zu begegnen. In der Glaubenslehre möge Dogmenstreit eine Berechtigung haben, in der Wissenschaft ist dies vehement abzulehnen.

"Schwerer Rückfall in die Zeit der Gegenreformation"

"Als Präsident des Wissenschaftsfonds muss ich darauf hinweisen, dass diese Attacke auf die Wissenschaft ein schwerer Rückfall in die Zeit der Gegenreformation darstellt. Schade, dass das gewachsene Vertrauen zwischen Religion und Wissenschaft durch solche Äußerungen nun auch in Österreich gefährdet wird. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft ist ein bewährtes Grundrecht unserer Gesellschaft und die so gewonnenen Resultate müssen gegen Angriffe - von welcher Seite auch immer - verteidigt werden" so Wick.

Die persönliche Position des FWF-Chefs: "Als Wissenschaftler und praktizierender Katholik habe ich übrigens kein Problem damit, auch im Wirken des Zufalls in der Evolution ein höheres Prinzip zu sehen." Und eines ist für Wick klar: "Nach übereinstimmender Meinung aller Wissenschaftler konnte die Evolutionstheorie bis zum heutigen Tage nicht erschüttert werden, im Gegenteil: durch jüngste Ergebnisse der Genomforschung hat sie eine eindrucksvolle Bestätigung erfahren."

"Einstige Polarität neu aufgerollt?"

Für den FWF, der als zentrale Förderinstitution der Republik Österreich alle Wissenschaftsdisziplinen ohne Vorbehalte - ausschließlich nach internationalen Qualitätsstandards - fördere, zeigt laut Wick die derzeit laufende Diskussion sehr eindrucksvoll, wie schwierig ein Dialog zwischen Wissenschaft und Religion sogar heute noch sein könne:

"Die dabei mitschwingende Emotionalität macht darüber hinaus deutlich, wie anachronistisch dieser Diskussionsvorgang ist, denn er berührt unter anderem eine grundlegende Frage: Wird die einstige Polarität zwischen Kirchen als Trägerinnen der Religionen (und hier konkret der römisch-katholischen Kirche) und den Wissenschaften wieder neu aufgerollt, oder bleibt der respektvolle Abstand, der sich seit der Aufklärung entwickelt hat, bestehen?"

"Völlige Verdrehung der Tatsachen"

Vieles spreche dafür, diesen Respektsabstand bestehen zu lassen, denn es habe sich seit der erstrittenen Freiheit der Wissenschaften - Stichwort Galilei - gezeigt, dass die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen untrennbar mit der freien Entwicklung der Wissenschaften einhergehe. "Wenn nun behauptet wird, der Neodarwinismus sei dogmatisch, wo hingegen die Ansichten des Kardinals durch Vernunft gestützt seien, so ist dies eine völlige Verdrehung der Tatsachen", so Wick.

Kardinal Schönborn habe in einem Punkt recht, nämlich, dass es "inakzeptabel sei, wenn eine wissenschaftliche Theorie zum Dogma wird, das nicht mehr hinterfragt werden darf". Im kritischen Hinterfragen liege ja gerade der eigentliche Kern wissenschaftlichen Denkens. "Wo stünde die Wissenschaft, wenn nicht laufend einzelne Annahmen in der Sicht unserer Welt in Frage gestellt bzw. neue Antworten gesucht würden? Allerdings hat sich in der Wissenschaft eine Methode bekanntlich bewährt und ist Grundlage unseres abendländischen Weltbildes geworden: wissenschaftliche Hypothesen - gleichgültig ob sie zu Theorien verdichtet werden oder nicht - müssen durch empirische Befunde untermauert oder deduktive Beweise belegt werden. Jede Hypothese ist solange gültig, als sie nicht durch wissenschaftliche Befunde widerlegt wird", so Wick. (APA)

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    Georg Wick

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