Motivsuche nach Attacke im Krankenhaus: Tatverdächtiger hat Gedächtnislücken

15. Juli 2005, 14:35
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Gegen Lebensgefährtin des schwer verletzten Grazers wird derzeit nicht ermittelt

Salzburg - Nach der Verhaftung eines 45-jährigen Salzburger Angestellten, der gestanden hat, vergangenen Sonntag im Salzburger Unfallkrankenhaus zwei völlig wehrlose Intensivpatienten mit tiefen Schnitten in die Kehle schwer verletzt zu haben, versuchen die ermittelnden Behörden derzeit, das Motiv für den zweifachen Mordversuch zu klären. Jedes Drehbuch eines Fernsehkrimis sieht dagegen einigermaßen blass aus.

Im Mittelpunkt der Erhebungen stehen die Beziehungen zwischen dem Beschuldigten einerseits, einem seiner Opfer - einem 31-jährigen Grazer - und der Lebensgefährtin des Steirers andererseits. Den zweiten Verletzten - ein 71-jähriger Oberösterreicher - dürfte der Salzburger entweder zur Verschleierung seiner Absichten oder aus Angst vor einem möglichen Zeugen attackiert haben.

Gemeinsame Bergtour

Nach Angaben des Sprechers der Salzburger Staatsanwaltschaft, Thomas Wegleiter, sind der mutmaßliche Täter, der Grazer und dessen Lebensgefährtin gemeinsam bei jener Bergtour Anfang Juli am Untersberg unterwegs gewesen, bei welcher der Grazer 40 Meter abgestürzt ist und schwer verletzt liegen blieb. Gegenüber der Kriminalpolizei hatte der Verdächtigte von einer "Mitschuld" an dem Bergunglück gesprochen.

Die Frau war auch bei jenem Krankenhausbesuch des inhaftierten Salzburgers mit im UKH, bei welcher dieser die Räumlichkeiten in der Intensivstation ausgekundschaftet haben soll. Gegen die Lebensgefährtin des schwer verletzten Grazers werde derzeit aber nicht ermittelt, so Wegleiter.

In den Beziehungen der drei zueinander werde das Motiv gesucht. Es gebe jedoch noch "Lücken und viele offene Fragen". Aus Polizeikreisen ist indes durchgesickert, dass man nicht unbedingt nur von einer "klassischen Dreierbeziehungskiste mit Eifersucht" ausgeht. Der Tatverdächtige gab an, er könne sich an die Tat nicht mehr erinnern. Schuld an der Gedächtnislücke sei eine Unterzuckerung, die er als Diabetiker zu diesem Zeitpunkt erlitten habe. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Juli 2005)

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