Filzmaier: Negativkampagnen auch bei anderen Parteien

15. Juli 2005, 17:40
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Politologe: "Glasklares Jein" zur Frage der Wirkung von Partei-Postings

Wien - Der Politologe Peter Filzmaier vermutet, dass nicht nur die steirische Volkspartei im Wahlkampf mit Internet-Postings und Leserbriefen eine Negativkampagne betreibt. Er könne es zwar nicht beweisen, "aber der Verdacht liegt nahe", dass auch die anderen Parteien schon mit solchen Mitteln gearbeitet haben. Das Internet gebe es bereits seit zwölf Jahren und dass dies jetzt erstmals der steirischen ÖVP eingefallen sein sollte, "ist nicht gerade die wahrscheinlichste These", sagte Filzmaier am Mittwoch gegenüber der APA. Das müsse aber nicht unbedingt von den Parteizentralen ausgehen, dahinter könnten auch Sympathisanten oder Aktivisten stehen.

Die Frage, ob solche Methoden auch etwas bringen, beantwortete der Experte mit einem "glasklaren Jein". Er verwies darauf, dass das Gerücht "die Königsdisziplin der Negativ-Kampagne" sei. Wenn etwa der steirische SPÖ-Vorsitzende Franz Voves von der ÖVP als Faulpelz hingestellt werde, erhebe sich die Frage, wie er darauf reagieren solle. Derartige Gerüchte im Internet zu streuen bringe den Betroffenen in Schwierigkeiten. "Wie soll er darauf reagieren?" Sowohl darauf zu reagieren als auch nichts dagegen zu machen, bringe ihm aus kommunikationstechnischer Sicht keine Vorteile.

Auf der anderen Seite könne dadurch auch ein Solidaritäts- oder ein Mitleidseffekt für den Betroffenen eintreten, meinte der Politologe. So habe etwa die Attacke von Landeshauptmann Jörg Haider (B), der im EU-Wahlkampf 2004 den SPÖ-Spitzenkandidaten Hannes Swoboda als "Vaterlandsverräter" bezeichnet hat, die SPÖ-Funktionäre erst richtig mobilisiert, sich für Swoboda zu engagieren.

Gefahr: Schmutz trifft einen selbst

Filzmaier verwies auf verschiedene Studien, wonach Negativkampagnen zwar nicht direkt Wählerstimmen, aber eine höher Wahrnehmung und Erinnerung bringen. Es bestehe aber auch die Gefahr, dass "der Schmutz, mit dem man geworfen hat, auch einem selbst trifft." Gerade in einem eher kleinräumigen Land wie Österreich, wo fast jeder jeden kennt, hält der Politologe solche Negativ-Kampagnen für weniger attraktiv und riskanter als in einem großen Land wie etwa den USA. Die Rollenverteilung mit einem "Good-Cop" und einem "Bad-Cop" sei hier viel schwieriger, weil leichter zu durchschauen sei, welche Organisationen und Personen hinter welchen Parteien stehen.

Zudem sind Internet-Postings nach Einschätzung Filzmaiers auch für denjenigen, der sie platziert, mit einem relativ großen Risiko verbunden. Die Anonymität, die das Internet vermittle, gebe es in Wirklichkeit nicht. Wenn eine beleidigte Person rechtliche Schritte einleite, sei das Medium verpflichtet, die Identität bekannt zu geben. (APA)

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