Frankreich fürchtet neue Qualität von Anschlägen in Europa

13. Juli 2005, 12:43
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Alliot-Marie: Selbstmordattentate am schwersten zu verhindern - Scharfe Sicherheitsvorkehrungen zum Nationalfeiertag

Paris - Selbstmordanschläge könnten es nach Einschätzung Frankreichs in Zukunft deutlich schwieriger machen, Terrorattentate in westlichen Staaten zu verhindern. Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass sich die Attentäter von London mit ihren Opfern in die Luft sprengten, wäre dies "eine neue Phase im System der Anschläge", sagte die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie am Mittwoch im Pariser Radiosender Europe 1. Hätten sich früher Anschläge zumeist gegen Einzelpersönlichkeiten und später auch gegen die breite Masse gerichtet, stellten Selbstmordattentäter die Ermittler vor neue Herausforderungen. "Sie sind am schwersten zu entdecken", sagte die Ministerin. Damit werde die Arbeit der Geheimdienste noch wichtiger.

Frankreich sei "ein mögliches Ziel", sagte die Ministerin der Zeitung "Le Parisien" vom Mittwoch. Es gebe zwar "keine spezifischen" Drohungen, aber immer wieder allgemeine Drohungen von Al Kaida oder der vor allem in Nordafrika tätigen radikal-islamischen Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) gegen das Land. Im Visier der Terroristen seien bisher zwar vor allem die Länder der Irak-Koalition gewesen; zuletzt hätten radikal-islamische Terroristen auch die am Afghanistan-Einsatz beteiligten Staaten bedroht, an dem auch Frankreich teilnehme.

Mit Blick auf die Sicherheitsvorkehrungen zum französischen Nationalfeiertag am morgigen Donnerstag (14. Juli) sagte Alliot-Marie in Europe 1, es seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, um Anschläge zu vermindern. "Es ist aber schwer zu sagen, ob alles hundertprozentig ist." Vor drei Jahren hatte ein französischer Rechtextremer bei der traditionellen Militärparade zum 14. Juli ein Schussattentat auf Staatschef Jacques Chirac versucht. Er war direkt nach dem fehlgeschlagenen Anschlag überwältigt worden. Im vergangenen Dezember wurde er in Paris zu zehn Jahren Haft verurteilt. (APA)

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