"Benotung ungerecht und demotivierend"

16. März 2006, 12:23
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Günter Haider, Österreichs Pisa-Manager, kritisiert das klassische Notensystem. Verbale Beurteilungen wären besser. Man spare auf Kosten der Kinder

STANDARD: Im Herbst tritt ein neues Schulpaket in Kraft. Finden sich darin Vorschläge der Zukunftskommission?

Haider: Das erste Paket hat wenig mit unseren Empfehlungen zu tun. Der wichtigste Punkt darin ist die Ganztagsschule. Die Ministerin hat angekündigt, sieben oder acht Schulpakete in den nächsten zwei Jahren einzubringen.

STANDARD: Eine der jüngsten Ideen waren die Stundenkürzungen. Was meinen Sie dazu?

Haider: Es tut jedem weh, wenn Schüler nicht das nötige Angebot bekommen. Wir müssen viel anbieten, mehr Mittel in die Bildung stecken und nicht auf Kosten der Zukunft unserer Kinder sparen.

STANDARD: Ministerin Gehrer betonte, dass es nicht nötig sei, die Reformen schnell und unter Druck durchzuführen . . .

Haider: Für mich kann es nicht rasch genug gehen. Ich weiß, wo die Probleme liegen und welche Reformen nötig sind. Dem gegenüber steht die Politik, die mit ihren Rahmenbedingungen fertig werden will.

STANDARD: Es gibt den Vorschlag, regelmäßige Feedbacks zur Unterrichtsqualität einzuführen. Lohnt sich das?

Haider: Grundsätzlich ja. Aber das heißt nicht, dass sich jeder Lehrer von jedem Schüler jährlich ein Feedback holen soll. Oft genügen Gespräche.

STANDARD: Was halten Sie vom jetzigen Benotungssystem?

Haider: Es ist ungerecht und demotivierend. Oft sind für dieselbe Note an verschiedenen Schulen unterschiedliche Leistungen nötig. Und: Jeder Lehrer hat seine eigene Benotung. Wichtig wären Bildungsstandards, damit wir gemeinsame Grundkompetenzen fair abtesten können.

STANDARD: Wie würden Sie die Beurteilung verändern?

Haider: Jetzt werden Noten nach "sozialer Norm" vergeben: Innerhalb der Klasse bekommen die besten Schüler Einser und die schlechtesten Fünfer. Das muss auf objektive Tests und individuelle Beurteilung umgestellt werden. Was jeder Einzelne dazugelernt hat, zeigen die Noten nicht - verbale Beurteilungen wären besser: Man hätte ein intelligentes System, das die Kinder fördert und motiviert. (DER STANDARD-Printausgabe, 12.7.2005)

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