Pressestimmen: Täter waren Briten

14. Juli 2005, 12:42
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"The Times": Moslems tragen nach Anschlägen enorme Verantwortung

London/Rom - Zahlreiche europäische Tageszeitungen befassen sich am Mittwoch mit den Ermittlungserfolgen nach den Anschlägen in London vor sechs Tagen.

"The Times" (London):

"Der Schluss, dass die Terroristen Einheimische waren, ist zutiefst beunruhigend. (...) Ist es wirklich möglich, dass niemand aus dem Umfeld der Täter eine Ahnung von ihren Absichten hatte? Waren ihre extremistischen Ansichten und Pläne selbst im engeren Freundeskreis und bei den muslimischen Kameraden unbekannt, die vielleicht ihren Fanatismus und die Feindschaft gegen die Gesellschaft teilten, in der sie aufwuchsen? Die muslimischen Gemeinden tragen nun eine enorme Verantwortung."

"Guardian" (London):

"Jetzt wissen wir, dass das, was am 7. Juli geschah, nicht nur der schlimmste Terroranschlag in der britischen Geschichte, sondern auch der erste seiner Art war: ein erster Selbstmordanschlag auf britischem Boden. Das ist aus einem Grund besonders bedrückend, den Israelis, Iraker, Inder und Russen sehr gut nachvollziehen können. Denn Selbstmordattentäter stellen eine einzigartige Bedrohung dar, Feinde, die sich nicht davor fürchten, gefangen oder getötet zu werden (...). Dass diese Männer töten und sterben wollten, ist schon schlimm genug. Dass sie, wie es scheint, in diesem Land geboren wurden und aufwuchsen, macht es noch schlimmer."

"Il Messaggero" (Rom):

"Wie in Madrid, wie in Casablanca, wie in Istanbul. Die Attentäter von London lebten nicht weit entfernt, sondern im nahen Yorkshire. Sie waren (oder sind es vielleicht noch) englische Moslems mit britischem Pass. Sie mussten nicht weit fahren, um die Anschläge in der Metro und im Autobus auszuführen. Ein Lob an die britische Polizei, die den Fall offensichtlich schnell gelöst hat. Aber jetzt stellen sich viele Überlegungen und viele Fragen.

Die auffälligste, aber notwendige Erkenntnis betrifft die europäischen Muslime in der zweiten, mitunter sogar in der dritten Generation. Es hat sich nunmehr erneut erhärtet, dass ein Teil der jungen Muslime, die in Europa aufwachsen, den Weg des Extremismus einschlagen."

"Libération" (Paris):

"Alles scheint darauf hinzudeuten, dass die Londoner Anschläge von Selbstmord-Terroristen begangen wurden. Experten hatten seit langem den Einsatz solcher 'Kamikaze' befürchtet, eine Premiere in Europa. (...) Die Attentate in London haben uns in Erinnerung gerufen, dass die islamistische Terror-Drohung eine Tatsache ist. Und die Methode der Täter zeigt, wie brutal diese Drohung ist. (...) Die Gefahr betrifft den ganzen Globus - und die, die uns bedrohen, könnten gleich im Haus nebenan leben? Da können wir uns nur nach dem Kalten Krieg und den hinterhältigen Coups von Geheimagenten zurücksehnen, die böse waren, aber immerhin professionell. Es ist oft einfacher, einen hochkarätigen James Bond aufzuspüren als einen einfachen Vorstadtpendler, der morgens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu gehen scheint - bevor er sich in die Luft sprengt und alle anderen auch." (APA/dpa)

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