31 Kinder bei Autobomben-Anschlag getötet

16. Juli 2005, 20:07
88 Postings

Al-Kaida bestreitet Beteiligung - Irakischer Terrorverdächtiger festgenommen

Dubai/Bagdad/Kairo - Die internationale Terrororganisation Al-Kaida hat bestritten, hinter dem Selbstmordanschlag in Bagdad zu stecken, bei dem am Mittwoch zahlreiche Kinder getötet wurden. "Wir erklären, dass wir in keiner Weise verantwortlich für den Anschlag in Bagdad am Mittwoch sind", hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung auf einer häufig von Moslem-Extremisten genutzten Internetseite. Zwei Selbstmordattentäter haben sich am Donnerstag am Eingang zum stark gesicherten Regierungsviertel in Bagdad in die Luft gesprengt. Dabei wurden zwei Passanten getötet.

"Unser Stil ist bekannt - wir bekämpfen die Feinde Gottes, Kreuzfahrer und ihre Gefolgsleute in Polizei und Armee", so die Al-Kaida-Botschaft. Die Gruppe versuche dabei, zivile Opfer zu vermeiden, hieß es. Der Attentäter hatte sich in einem Auto in der Nähe von US-Soldaten in die Luft gesprengt, die von vielen Kindern umgeben gewesen waren. Dabei wurden mindestens 27 Menschen getötet und mindestens 67 weitere verletzt.

Bei den Explosionen vor der so genannten "Grünen Zone", dem Hochsicherheitsbereich im Zentrum der irakischen Hauptstadt, wurden zwei Menschen getötet und nach Angaben von Ärzten zudem fünf Menschen verletzt, darunter vermutlich ein dritter Attentäter, der jedoch seinen Sprengsatz nicht zünden konnte.

An einem Eingang, über den viele Zivilisten, Journalisten und Lieferanten das Sperrgebiet um die ehemaligen Paläste des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein betreten, habe ein Attentäter eine Autobombe gezündet, teilte die Polizei mit. Danach habe sich ein mit Sprengstoffgürteln bewaffneter Attentäter in die Luft gesprengt - inmitten von zu Hilfe eilenden Menschen.

Unter den Verletzten war nach Angaben des irakischen Innenministeriums ein Mann, unter dessen Kleidung Drähte hervorlugten. Die Polizei habe ihn festgenommen. Ein Sprecher des US-Militärs sagte, es handle sich um einen Selbstmordattentäter. "Er wurde gestoppt, bevor er in der Lage war, die Bombe zur Explosion zu bringen". Es ist eher selten, dass die Sicherheitskräfte im Irak die Täter hinter den beinahe täglichen Anschlägen ergreifen.

Nachdem die Detonationen die Stadt erschütterten, schlug mindestens eine Granate in der "Grünen Zone" ein. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, es sei schweres Maschinengewehrfeuer zu hören gewesen. Die Anschläge ereigneten sich an einem erst vor einem Monat neu eingerichteten nationalen Feiertag am 14. Juli, der an die Revolution gegen die von Großbritannien eingesetzte Regierung im Jahr 1958 erinnert.

Die alliierten Truppen im Irak nahmen unterdessen einen mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen fest, der an dem Mord des designierten ägyptischen Botschafter in Bagdad, Ihab al-Sharif, beteiligt gewesen sein soll. Die Terrororganisation bestätigte die Festnahme von Khamis Farhan Khalaf Abd al-Fahdawi, des so genannten "Emirs von Bagdad" in einem im Internet veröffentlichten Schreiben. Sharif war vor einer Woche entführt und ermordet worden.

In Kuwait wurden unterdessen mehrere mutmaßliche Terroristen festgenommen, die Videoaufnahmen von Anschlägen im Irak und in Saudiarabien im Gepäck hatten. Sie sagten nach Angaben der kuwaitischen Behörden aus, dass sie die Aufnahmen "Schläferzellen" als Anschauungsmaterial zur Verfügung stellen wollen. (APA/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Aufräumarbeiten nach dem Selbstmordanschlag.

Share if you care.