Erspartes fließt hauptsächlich in Lebensversicherung

21. Juli 2005, 11:43
6 Postings

Ein Achtel des Netto­ein­kommens der Öster­reicher kommt laut Um­frage auf die hohe Kante - das Sparbuch verliert seinen Sexappeal

Wien - Ein Achtel des Nettoeinkommens wird in Österreich gespart oder höherverzinst veranlagt. Vom Baby bis zur Großmutter sind es statistisch betrachtet 180 Euro monatlich oder 2.151 Euro im Jahr. Damit wurden 2004 im Schnitt 12,2 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens pro Kopf auf die hohe Kante gelegt. Bis 2008 dürfte die jährliche Veranlagungssumme weiter nach oben gehen, im Verhältnis zum Einkommen dürfte sich die Kurve wieder abflachen.

Zum Vergleich: 2001 lag diese "Veranlagungsquote" bei 8,7 Prozent, und in dem Jahr wurden damals 1.433 Euro veranlagt. Sparmotiv Nummer eins war auch 2004 der "Notgroschen für alle Fälle", dann folgt das Sparen auf Auto oder Wohnung, und an dritter Stelle die Altersvorsorge.

Lebensversicherung gut beschickt

Der größte Anteil an "erspartem" Neuvolumen fließt in Lebensversicherungen. Weiter gut dotiert bleiben die Sparbücher, wenngleich ihnen Fonds und Co Konkurrenz machen. Immerhin besitzen 75 Prozent der Österreicher Sparbücher, und 48 Prozent haben einen "Bausparer". Allerdings gewinnen zuletzt Immobilien massiv an Bedeutung, und auch Wertpapiere.

Das sind die Ergebnisse des BA-CA-GeldAnlage-Barometers. Diese repräsentative Umfrage des Fessel-GfK-Instituts hat Bank Austria-Vorstand Willi Cernko am Mittwoch vorgestellt.

Cernko: "Die Österreicher gehen sehr verantwortungsvoll mit ihrem Geld um. Sie haben hart dafür gearbeitet. Und sie wollen es deshalb sicher und ertragreich anlegen".

Demnach ging 2004 der größte Teil der jährlichen Veranlagungssumme von 2.151 Euro pro Österreicher in Lebensversicherungen (20 Prozent), in Spareinlagen (18 Prozent) und Fonds (17 Prozent). Zu den Lebensversicherungen und Fonds gehören der Statistik nach auch die Zukunftsvorsorge-Angebote.

Absichern

Absichern ist den österreichischen Sparern und Anlegern das Wichtigste. Die persönlichen Lebens- und Einkommensumstände prägen die Sparneigung stark: 52 Prozent der Befragten glauben derzeit, dass sie weniger sparen können als noch vor drei Jahren. Diese Aussage, so die BA-CA, trifft vor allem auf ältere und einkommensschwache Menschen zu. Fast ein Drittel (32 Prozent) geben an, gleich viel zu sparen. 13 Prozent legen zur Zeit mehr auf die Seite als drei Jahre zuvor.

Eine knappe Mehrheit gibt damit derzeit an, heute weniger sparen zu können. Trotzdem zeigten volkswirtschaftliche Daten in den vergangenen drei Jahren einen Anstieg des durchschnittlichen Sparvolumens von 718 Euro (oder ein Drittel). Optimistischer ist die Mehrheit der Befragten auch für sich selbst für die nächsten Jahre: 52 Prozent meinen, dass sie in drei Jahren gleich viel (35 Prozent) oder mehr (17 Prozent) sparen.

Tausend Euro würden heute - also Mitte 2005 - 49 Prozent auf ein klassisches Sparbuch legen. 2004 waren es noch 60 Prozent. Bausparen, Lebensversicherung und Pensionsvorsorge werden besser beurteilt. Enormes Interesse verbuchen Immo-Veranlagungen: 15 Prozent der Österreicher würden jetzt ein paar verfügbare Tausender in Immobilienwerte anlegen, doppelt so viel wie 2004 (7 Prozent).

Wertpapiere gewinnen

Allein in den letzten zwei Jahren hat sich die Meinung zu Wertpapieren (Aktien, Fonds, Anleihen) stark verbessert. Rückten 2003 noch 69 Prozent der Österreicher Wertpapiere in die Nähe des Glücksspiels, so sind das heute nur noch 58 Prozent. 31 Prozent gaben an, dass die Kursschwankungen am Kapitalmarkt die Anleger vor Investitionen abhielten. 2003 waren es noch 47 Prozent. Der Marktausblick sei derzeit gut, die Kurse hätten sich stabilisiert. Das sowie neue Produkte, etwa mit Kapitalgarantie, habe die Meinung stark verbessert, sagt BA-CA-Anlageexperte Werner Kretschmer. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.