Discovery-Start frühestens Sonntag

15. Juli 2005, 15:41
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Problem noch ungelöst - NASA nach Startpanne in der Defensive - Kritiker: Probleme mit Treibstoffversorgung wurden bei Tests als "unerklärte Anomalie" abgehakt

Cape Canaveral/Washington - Die Weltraumfähre "Discovery" startet frühestens am Sonntag. Das teilte die Weltraumbehörde NASA am Donnerstag am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral (Florida) mit. Um den Termin einzuhalten, müsse die NASA allerdings äußerst viel Glück haben, sagte Wayne Hale, stellvertretender Manager des Shuttle-Programms.

Das Problem, das am Mittwoch zum Abbruch der Startvorbereitungen geführt hatte, sei noch nicht gefunden. Der erste Shuttle-Start nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia" vor zweieinhalb Jahren ist bis Ende Juli möglich. Das nächste Startfenster bei Tageslicht beginnt erst wieder am 9. September - und darauf besteht die NASA, um die Startphase von allen Seiten filmen und fotografieren zu können. Die sieben Astronauten nutzten die Wartezeit zum Training und Ausruhen, teilte die NASA mit.

Fehlerquelle Treibstoffsensor

Bei einem Test zweieinhalb Stunden vor dem Start hatte einer von vier Treibstoffsensoren im Außentank die Treibstoffmenge nicht richtig angezeigt. Der Sensor war nicht auf "Tank leer" zu schalten. Das ist wichtig, weil der Sensor, wenn der Treibstoff knapp wird, die Triebwerke automatisch abschalten soll, um Leerlauf zu vermeiden.

Zwölf Ingenieursteams seien auf der Suche nach der Ursache der Fehlanzeige, sagte Hale. Der Außentank, der bereits mit zwei Millionen Litern flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff betankt war, sei geleert worden. Inzwischen zeige der Sensor wieder korrekt an. "Ein Problem, das nur sporadisch auftaucht, ist das schlimmste, wenn man Lösungen sucht", sagte Hale.

NASA nach abgesagtem "Discovery"-Start in der Defensive

Nach dem abgebrochenen Startversuch ist die NASA in die Defensive geraten. Kritiker wiesen daraufhin, dass das selbe Problem mit einem Treibstoffsensor bereits bei einem Test vor drei Monaten aufgetreten sei und damals als "unerklärte Anomalie" abgehakt worden sei. Einige Ingenieure hätten für eine weitere Untersuchung des Phänomens plädiert, das NASA-Management habe sich aber mit einem Austausch von Kabeln, eines Schaltkastens und des Tanks selbst zufrieden gegeben.

Hale sagte am Mittwoch vor Journalisten, man sei zuversichtlich in den Countdown gegangen. "Wir fühlten uns als Gruppe und Management-Team sicher, dass dies eine akzeptable Ausgangsposition für den Flug war", sagte er. "Und wir wussten, dass für den Fall, das beim Countdown was passiert, wir einen Test machen und es finden werden. Und stellt euch vor: Wir haben getestet, wir haben was gefunden und wir haben (den Countdown) gestoppt. Wir sind kein Risiko eingegangen."

Enttäuschung und Verständnis

Der Abbruch erfolgte zwei Stunden vor dem geplanten Start am Mittwoch, die sieben Astronauten waren bereits an Bord der "Discovery". Tausende Schaulustige, darunter auch Exastronaut John Glenn, hatten sich am Weltraumbahnhof Cape Canaveral eingefunden, um den ersten Shuttle-Start seit der "Columbia"-Katastrophe vor zweieinhalb Jahren zu verfolgen. Viele reagierten enttäuscht, zeigten aber auch Verständnis. "Ich bin wie wir alle enttäuscht", sagte der demokratische Senator Bill Nelson aus Florida. "Das System hat aber funktioniert, wie es sollte."

Schrecksekunde

Eine Schrecksekunde gab es schon am Dienstag mitten im Countdown. Eine Plastikabdeckung hatte sich von einem Fenster am Bug der "Discovery" gelöst, war in die Tiefe gestürzt und hatte Hitzeschutzkacheln am Rumpf des Shuttles beschädigt. Das betroffene Paneel wurde ausgetauscht.

Diese Panne erinnerte auf makabre Weise an die Ursache des "Columbia"-Absturzes bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre am 1. Februar 2003. Beim Start der "Columbia" war der Hitzeschutzschild des Shuttles beschädigt worden, was nach Ermittlungen der NASA zu der Katastrophe beim Landeanflug führte. Das Shuttle-Programm wurde nach dem Absturz, bei dem alle sieben Astronauten ums Leben kamen, ausgesetzt. (APA/AP/dpa)

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    Vorbei die Zeiten, als Shuttle-Starts zur wenig beachteten Routine geworden waren - das Medieninteresse ist wieder groß

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    Nach dem abgebrochenen Shuttle-Start gerät die NASA zunehmend in die Defensive (im Bild NASA-Direktor Michael Griffin bei einer Pressekonferenz im Kennedy Space Center).

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