Wiener Wahl am 23. Oktober - aber noch mit Vorbehalt

20. Juli 2005, 22:26
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Häupl hofft auf "intellektuelle Niederkunft" Schüssels

Wien - "Also bitte einmal mehr - es ist ja net so kompliziert", repetiert Wiens Bürgermeister Michael Häupl Dienstagmittag, allerdings in einer neuen rhetorischen Variation: Der Wiener Wahltermin solle der 23. Oktober sein, "aber Sie werden verstehen, die Hoffnung stirbt zuletzt" und wenn es um vernünftige Entscheidungen gehe, "hoffe ich, dass auch der Bundeskanzler nicht davor gefeit ist". Mehr noch: "Falls der Bundeskanzler in Folge einer intellektuellen Niederkunft den 16. Oktober als gemeinsamen Wahltermin vorschlägt, werde ich mich dem nicht verschließen."

"Gebe mein Bestes"

Häupl erklärte weiters, er wolle den Termin erst "zum spätest möglichen Zeitpunkt" endgültig festlegen. Wenig Freude hätte Häupl aber mit einem Zusammenlegen der Wahlen im Bund, in Wien und der Steiermark am 2. Oktober. "Wenn er das will, soll er mir das aber gleich sagen", sagt Häupl in Richtung Schüssel. "Wenn der Bund wenig später die Nationalratswahl zwei Wochen nach der Wiener festlegt - dann muss er das selbst argumentieren. Ich gebe seit einem halben Jahr wirklich mein Bestes."

"Der Neuigkeitswert der Häupl-Aussagen ist endenwollend", reagierte der Wiener BZÖ-Obmann Günter Barnet. Ohne dabei allerdings einen Neuigkeitswert in eigener Sache zuzufügen: Wer für das BZÖ in Wien Spitzenkandidat werden soll. "Wir führen mit einigen guten Leuten Gespräche - auch mit Peter Westenthaler", erklärte Bündnissprecher Uwe Scheuch am Dienstag. Laut Barnet werde der Spitzenkandidat bei Abgabe der Wahllisten vier bis sechs Wochen vor der Wiener Wahl bekannt gegeben.

Migrations-Kandidatin

Eine weitere Kandidatin präsentierte indes der Wiener VP-Chef Johannes Hahn am Dienstag: Mit Sirvan Ekici (32) hat nun auch die Wiener ÖVP eine Kandidatin mit Migrationshintergrund. Ekici kandidiere für "das erste Mandat, das wir dazu gewinnen", so Hahn. Die gebürtige Türkin lebt sein ihrem 6. Lebensjahr in Wien, seit 1992 ist sie österreichische Staatsbürgerin. Warum sie nun für die ÖVP antritt? "Weil ich dort Werte wie Glaube, Familie und Wirtschaftskompetenz finde." Wie auch "größtmöglichen Respekt und Wertschätzung" als Muslimin.

Häupl berichtete am Dienstag übrigens auch, dass er die Gespräche mit der Opposition über den Wahltermin abgeschlossen habe: "Die Grünen begrüßen den 23. Oktober, das BZÖ sieht das komplett pragmatisch, die ÖVP ist intern für eine Vorverlegung, aber gegen den 23. Nur die FPÖ ist grundsätzlich dagegen. Wahrscheinlich wäre es denen am liebsten, wir wählen überhaupt nie." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 13.07.2005)

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    foto: standard/cremer
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