Berlusconi wegen staatlichen Fernsehens RAI in der Kritik

13. Juli 2005, 12:56
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Schon zweiter Kandidat für Chefposten verzichtet auf Bewerbung

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht wegen seines Umgangs mit dem staatlichen Fernsehen RAI vor dem anstehenden Wahlkampf in der Kritik. Am Dienstag verzichtete mit Giulio Malgara schon der zweite Kandidat auf das Amt des Präsidenten der RAI, nachdem er über Parteigrenzen hinweg wegen seiner Loyalität zu Berlusconi ins Kreuzfeuer geraten war.

Berlusconis Familie kontrolliert bereits den RAI-Hauptkonkurrenten Mediaset. Als Regierungschef hat er auch starken Einfluss auf die staatlichen Sender, die nicht so unabhängig sind, wie etwa die ARD oder die britische BBC. Der Chefsessel bei der RAI steht nun seit einem Jahr leer, nachdem der vorherige Amtsinhaber den Dienst quittiert hatte, weil die Sender seiner Einschätzung nach zu einem "Briefkasten" für Anfragen der Regierung Berlusconis verkommen waren.

Kandidatur wegen seiner Nähe zum Regierungschef kritisiert

Malgara, der bei der Gründung von Mediaset mitgewirkt hatte, verzichtete wegen mangelnden Zuspruchs auf den Posten. Politiker aller Parteien hatten seine Kandidatur wegen seiner Nähe zum Regierungschef kritisiert. Selbst Kommunikationsminister Mario Landolfi hatte beklagt, Malgara verstehe nichts vom Fernsehgeschäft. Einige Abgeordnete der Opposition mutmaßten, Berlusconi habe den Kandidaten ausgesucht, um das Management der RAI vor den Wahlen im Mai 2006 lahm zu legen.

Der Wahlkampf wird Experten zufolge vor allem auf den Bildschirmen ausgetragen. Während die Rai bei den Vorbereitungen dafür weiter führungslos bleibt, hat Mediaset ab Herbst eine stärkere Fokussierung auf Nachrichtensendungen angekündigt. (APA/Reuters)

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