Lukrative Projekte zur Reduktion von CO, aber Betriebe warten zu

21. Juli 2005, 11:42
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Durch Investitionen in klimaschonende Anlagen im Ausland könnten sich österreichische Firmen CO-Zertifikate im Inland gutschreiben lassen. Das Interesse dafür ist noch gering

Wien - Die Reduktion klimaschädigender Gase, zu der sich Österreich im Rahmen des Kioto-Abkommens verpflichtet hat, kann für die davon betroffenen heimischen Unternehmen zu einem teuren Unterfangen werden. Die Preise für die Emissionszertifikate, die zum Ausstoß des Klimakillers CO berechtigen, schnellen europaweit in die Höhe und kaum jemand wagt eine Prognose, wann und ob es eine Trendumkehr gibt.

Für einige Unternehmen könnte sich dennoch eine Alternative auftun. Im Rahmen des Kioto-Abkommens wurden auch so genannte flexible Instrumente (siehe "Wissen") zur Eindämmung des Treibhausgaseffekts vereinbart.

Investitionen

Durch Investitionen in Entwicklungsländern (Clean Development Mechanism; CDM) oder anderen Industrienationen (Joint Implementation; JI) können sich Unternehmen bei Nachweis einer tatsächlich erfolgten Verringerung von CO-Emissionen Verschmutzungsrechte gutschreiben lassen.

"Es gibt lukrative Projekte, die sich anbieten würden," sagte Robert Rittler, juristischer Mitarbeiter im Wiener Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer, dem STANDARD. Die Wirtschaftskanzlei berät Unternehmen unter anderem in der Abwicklung von CDM-und JI-Projekten.

Der russische Stromversorger RAO etwa plane 30 JI-Projekte in der Energieherstellung. Ein Projekt sehe die Errichtung einer Zehn-Megawatt-Gasturbine in der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage "Orenburgenergo" vor. In einem anderen Fall soll eine KWK-Anlage von Kohle- auf Gasbetrieb umgestellt werden, um damit die Effizienz zu verbessern. Unternehmen in Österreich, die gute Chancen auf Aufträge hätten, hielten sich aber noch stark zurück.

Das bestätigt man auch in der Wirtschaftskammer Österreich. Bisher sei erst ein JI/ CDM-Projekt mit der VA Tech in Bulgarien abgewickelt worden. Einige rechtliche Rahmenbedingungen seien noch unklar, etwa die Deckelung der Zertifikatsanerkennung bei CO-reduzierenden Investitionen im Ausland, sagte Else Schweinzer von der Abteilung Umwelt- und Energiepolitik der Wirtschaftskammer.

Pröll-Entwurf im Herbst

Als eines der ersten Länder in Europa haben die Niederlande einen Entwurf zur Umsetzung der Linking Directive (Ergänzungsrichtlinie), in der das geregelt werden soll, präsentiert. Dort ist eine Deckelung bei acht Prozent vorgesehen. Umweltminister Josef Pröll will spätestens im Herbst mit seinem Entwurf herausrücken - die Frist für die Umsetzung der Richtlinie endet am kommenden 13. November.

Auslandsprojekte rechneten sich umso mehr, je größer die Preisspanne zwischen den an der Börse gehandelten Emissionszertifikaten und den bei Auslandsinvestitionen zur Verteilung gelangenden Verschmutzungsrechten werde, sagte Rittler.

Bei der Auktion am Dienstag hat der Preis für ein Emissionszertifikat an der Grazer Strombörse mit 28,85 Euro je Tonne einen Rekordwert erreicht. Zertifikate für registrierte Projekte im Ausland werden um 15 Euro je Stück gehandelt, für nicht registrierte Projekte um knapp sieben Euro. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2005)

WISSEN
Flexible Instrumente


Österreich hat sich im Rahmen des Kioto-Abkommens verpflichtet, seien CO-Ausstoß bis 2012 um 13 Prozent unter den Stand von 1990 zu drücken. Um das zu schaffen, gibt es neben dem Zertifikatehandel auch flexible Instrumente:
  • CDM Der Clean Development Mechanism oder Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung ermöglicht Unternehmen in Industrieländern, durch Projekte in "Entwicklungsländern" Verschmutzungsrechte zu erwerben.
  • JI Joint Implementation oder Gemeinsame Umsetzung bedeutet, dass bei der Durchführung eines Projekts ein Unternehmen aus einem Industrieland in ein emissionsminderndes Projekt in einem anderen derartigen Staat investiert. Im Gegenzug erhält der Investor Zertifikate gutgeschrieben. Der Gaststaat verliert im gleichen Ausmaß eigene Zertifikate. (stro)
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