Land NÖ im Clinch mit Volksbank

29. Juli 2005, 11:43
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Grober Streit zwischen den Aktionären der NÖ Hypobank: Das Land klagt, weil die Volksbanken AG ihre Anteile sang- und klanglos an Raiffeisen verkaufen will

Wien/St. Pölten - Schmerzhafte Nachwehen plagen die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) nach ihrer Übernahme der Investkredit. Die ÖVAG hat im Rahmen dieses Deals ihr 41-prozentiges Aktienpaket an der niederösterreichischen Hypobank dem (Investkredit-Verkäufer) Raiffeisen versprochen - und dieser Plan führt nun auf direktem Wege zu Gericht.

Kläger ist das Land Niederösterreich, dessen Landesholding 59 Prozent der Hypobank gehören und das mit den Volksbanken in einem Syndikatsvertrag zusammengeschweißt ist. In diesem Kontrakt ist auch ein Aufgriffsrecht des Landes für das ÖVAG-Paket um den Preis von rund 90 Mio. Euro vereinbart - und die Gültigkeit dieses Rechts will das Land nun von Handels- und Schiedsgericht festgestellt wissen.

Ausgegliedert

ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl vertritt nämlich die Rechtsmeinung, dass er dem Land das Aktienpaket nicht andienen muss. Denn: Die ÖVAG hat diese Beteiligung Ende April ausgegliedert und in ihre 100-prozentigen Tochter- bzw. Enkelgesellschaften VBET und VBKF Holding eingebracht. Daher sei man nicht an den Syndikatsvertrag ÖVAG-Land gebunden.

Eine Darstellung, die der Vertreter des Mehrheitseigentümers, der niederösterreichische Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka, naturgemäß nicht teilt. "Die ÖVAG weiß, dass wir auf die Einhaltung des Syndikatsvertrags pochen, und wir werden die Hypo-Anteile aufkaufen", lässt er durch seinen Sprecher Christian Rädler ausrichten. Zumal sich ja auch das Land, das seine Anteile vorige Weihnachten in die Landesholding eingebracht hat, an alle Verträge halte.

Was Niederösterreich mit der Hypo anfangen will, ist noch nicht klar: "Die Bank ganz zu behalten, ist nicht unsere erste Priorität. Aber man verteilt das Fell des Bären erst, wenn der erlegt ist." Interesse am Fell haben inzwischen auch die Sparkassen bekundet. Wie aus dem Sektor zu hören ist, hat ihr Spitzeninstitut Erste Bank aber wenig Lust, so einen Deal zu finanzieren.

Begehrtes Fell aus St. Pölten

Für Unverständnis sorgt die Taktik von ÖVAG-Chef Pinkl auch im Aufsichtsrat der Niederösterreichischen Hypo, wo Pinkl als Vizepräsident fungiert. Man nimmt ihm krumm, dass die Volksbanken-Vertreter in der letzten Aufsichtsratssitzung vom 9. Juni nichts von ihren Verkaufsplänen gesagt hätten, aber bereits am 14. Juni ein Positionspapier samt Hypo-Option mit Raiffeisen unterschrieben hätten. "Dieses Verhalten ist zumindest kurios zu nennen", so NÖ-Hypo-Aufsichtsratspräsident Fichta zum STANDARD.

ÖVAG-Chef Pinkl versucht unterdessen, die entfleuchte Kuh wieder in den Stall zu bekommen: "Wir wollen die Sache nicht auf dem Klageweg, sondern einvernehmlich lösen. Wir führen ganz sicher Gespräche mit dem Land." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2005)

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