Rapid und das Ende der Armut

15. Juli 2005, 17:44
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Der Meister ist gewillt, den Titel zu verteidigen. Trainer Josef Hickersberger hält das für gar nicht so unrealistisch, was auch mit dem gesteigerten Selbstwertgefühl zu tun hat

Wien - So ein Meistertitel, sagt Rapids Trainer Josef Hickersberger, "bedeutet im Fußball eigentlich alles. Bestätigung, Freude, Verpflichtung, er macht dich ein bisschen stolz, das Selbstwertgefühl steigt". Man wächst innerlich, äußerlich sind es bei ihm die 1,77 Meter geblieben. "Obwohl der Mensch im Alter schrumpft."

Um die Glaubwürdigkeit nicht wegzuschmeißen, mimt Rapid diesmal eher den Selbstbewussten denn das Armutschgerl, der nahezu legendäre Satz vom "Geld, das keine Tore schießt" wurde beim Saisonausblick tunlichst vermieden. Dem Präsidenten Rudolf Edlinger ist er einmal rausgerutscht, als er über Salzburg und die Austria schwadronierte, das Engagement von Dietrich Mateschitz begrüßte, "weil er als Marketingprofi erkannt hat, dass Fußball ein gutes Produkt ist. Ob einem sein Safterl schmeckt, ist ein anderes Kapitel". Es existierten halt zwei Vereine, "bei denen der Euro keine Rolle spielt". Rapid budgetiert mit 11,5 Millionen Euro, hat um eine satte Million zugelegt. "Man kann nicht sagen, dass wir mit der Hälfte von Salzburg oder Austria auskommen müssen. Weil bei denen gibt es nach oben hin gar keine Grenze. Was ist also die Hälfte von irgendetwas?" Es folgte der präsidiale Ausrutscher: "Geld schießt keine Tore."

Ein 31. Meistertitel lohnt sich allemal. 6280 Jahresabos wurden abgesetzt, der VIP-Bereich wurde ausgebaut. Die Westtribüne ist restlos ausgebucht, eine 800 Namen umfassende Warteliste hängt im Sekretariat. Der Merchandising-Umsatz belief sich auf knapp zwei Millionen Euro. Laut Manager Werner Kuhn "sind wir an Rekorde gestoßen".

Und Hickersberger ist immer noch da. Er startet in seine vierte Saison als Rapid-Trainer, so lange hat er es bei keinem anderen Verein ausgehalten. "Wer dachte, ich gehe zurück in die Wüste, lag falsch." Die Ziele hat er von seiner Mannschaft definieren lassen, sie decken sich nicht zufällig mit den eigenen. "Den Titel verteidigen und eine gute Figur in der Champions League abgeben." Fußballerisch wolle man dorthin, wo die Künstler von Brasilien längst angelangt sind. "Das Finale im Confederations-Cup ist ein Vorbild." Um nicht großkotzig zu klingen, müsse man relativieren. "Es kann nur eine Orientierungshilfe sein."

Hickersberger lobte seinen Arbeitgeber, Schlüsselspieler wurden gehalten, dem nicht genug, Bejbl, Dollinger und Akagündüz kamen hinzu. "Wir sind stärker geworden, können mehr variieren. Das stimmt mich optimistisch." Die Vorbereitung verlief klaglos, sie begann mit einem Teambuildingseminar, da wurde durch reißende Bäche gepaddelt. "Keiner ist ersoffen, auch das zeugt von Reife." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 13.7. 2005)

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