Die Stunde der Wahrheit rückt näher

13. Juli 2005, 12:11
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Kartellentscheid aus Brüssel zur Übernahme durch Siemens wird für Mittwoch Mittag erwartet

Wien - Für die VA Tech schlägt am Mittwoch die Stunde der Wahrheit. Gegen Mittag erwartet der Elektromulti Siemens den Bericht der EU-Fusionskontrolle und damit grünes Licht für die Übernahme des Linzer Anlagenbaukonzerns.

Große Überraschungen sind aus Brüssel nicht mehr zu erwarten, denn die Kernpunkte waren bereits im Vorfeld durchgesickert - sie decken sich im Wesentlichen mit der Stellungnahme der VA Tech vom Dezember 2004.

  • Der Wasserkraftwerksbau, also das Kerngeschäft der VA Tech Hydro, muss binnen acht Monaten verkauft werden. Das bestätigte Siemens-Österreich-Generaldirektor Albert Hochleitner am Dienstag insofern, als er in Aussicht stellte, der Verkauf könnte mit Jahresende 2005 abgeschlossen sein. Wahrscheinlicher sei allerdings ein Abschluss zu Beginn kommenden Jahres.

  • Aus freien Stücken den Besitzer wechseln dürfte, im Idealfall im Paket mit der Wasserkraft, auch der fossile Kraftwerksbau (Combined Cycle) . Er würde unter dem Siemens-Dach seinen Partner General Electric und damit sein Herzstück die GE-Gasturbine verlieren und damit unter die Grenzkosten fallen, heißt es bei Siemens.

    Als Kaufpreis für die gesamte Hydro werden mindestens 162 Mio. Euro kolportiert. Bei einem strategischen Bereich wie Energieerzeugung - die EU-Kommission will durch diese Auflage erreichen, dass der Siemens-Konkurrent auf jeden Fall erhalten bleibt - sei als Preis aber durchaus auch ein Ebit-Multiple von zehn gerechtfertigt, was auf Basis der Bilanz 2004 immerhin 270 Mio. Euro wären.

    Ob die um Herbert Paierl versammelten Investoren wie KTM-Chef Stefan Pierer, dessen Cross Industries und der Mittelstandsfinanzierer UIAG diese Summe aufbringen können, bleibt abzuwarten. Dass Hydro Haftungen und Garantien im Volumen von 1,8 Milliarden Euro (davon 1,0 bis 1,2 Mrd. Euro allein für Combined Cycle) braucht, schreckt Finanzinvestoren jedenfalls ab.

  • Keine Probleme machen Energieübertragung und -verteilung (T&D) und Infrastruktur (ElinEBG, AI Informatics); der VAI Industrieanlagenbau wird metallurgisches Kompetenzzentrum. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2005)
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