Neue Vorwürfe gegen Rove: Meineid statt Verrat

14. Juli 2005, 21:13
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Bush-Vertrauter und der Fall "Plame"

Neueste Enthüllungen in Newsweek haben den Verdacht bestätigt, dass es sich bei dem Informanten des Time-Reporters Matt Cooper im Fall der Enttarnung der CIA-Geheimagentin Valerie Plame um den umstrittenen Bush-Intimus Karl Rove handelt. In einer nun zutage gekommenen E-Mail hatte Cooper seinem direkten Vorgesetzten über ein "double super secret background"-Gespräch mit Rove berichtet, in dem dieser den Journalisten gewarnt hätte: Der frühere Botschafter Joe Wilson, der in einem Zeitungsartikel behauptet hatte, Präsident George W. Bush habe im Jänner 2003 trotz Warnungen des CIA über angebliche Uran-Einkäufe des Irak in Niger die Unwahrheit gesagt, sei nicht vertrauenswürdig. Wilson sei nicht vom CIA zu einer fact finding mission nach Afrika geschickt worden, sondern von seiner Frau, die beim CIA angestellt sei.

Aus dieser E-Mail geht aber auch hervor, dass Rove weder den vollen Namen von Wilsons Frau, Valerie Plame, noch deren Status als Agentin nannte. Ein Kriterium für das in den USA als Verbrechen geahndete Outing von Agenten ist, dass der Informant den Namen "wissentlich" preisgegeben haben muss.

Selbst Roves schärfste Kritiker können nicht wirklich glauben, dass sich der oft als brillant bezeichnete Bush-Mitarbeiter und Vize-Stabschef dieser Gesetzeslage nicht bewusst war und seine Worte bewusst gewählt hat. Sonderermittler Patrick Fitzgerald könnte bereits heute, Mittwoch, in einer Aussage von Matt Cooper vor der Anklagejury weitere Details erfahren - die möglicherweise im Widerspruch zu Roves eigenen Aussagen vor dieser "grand jury" stehen. Spekulationen in Washington zufolge könnte das bedeuten, dass Rove nicht wegen des Outings der CIA-Agentin, sondern möglicherweise wegen Meineids angeklagt werden kann.

Im Weißen Haus hält man sich bedeckt: In heißen Wortgefechten mit Journalisten musste sich Pressesprecher Scott McClellan gegen Vorwürfe wehren, die Unwahrheit gesagt zu haben, als er vor nahezu zwei Jahren behauptete, keiner der Betroffenen im Weißen Haus und schon gar nicht Karl Rove habe auch nur das Geringste mit der Enttarnung von Valerie Plame zu tun gehabt. Präsident Bush hatte noch im Juni 2004 auf die Frage eines Reporters, ob er den Schuldigen feuern würde, mit einem knappen "Ja" geantwortet.

Die New York Times-Reporterin Judith Miller, die nicht bereit war, ihre Quellen zu enthüllen, sitzt mittlerweile in einem Gefängnis in Alexandria außerhalb von Washington. Bei ihrem Informanten soll es sich nicht um Rove, sondern um einen anderen hochrangigen Mitarbeiter des Weißen Hauses handeln. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2005)

Susi Schneider aus New York
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