Evolution und Schöpfung im Einklang

13. Juli 2005, 12:40
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Grazer Bischof Kapellari: "Produktive Fragen"

Graz - Bischöfliche Schützenhilfe erhält der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn nach seinen - in der New York Times verfassten - viel diskutierten Thesen über die "unwissenschaftliche" Evolutionstheorie jetzt aus der Steiermark. Der Diözesanbischof von Graz-Seckau, Egon Kapellari, meint im Standard-Gespräch, es sei "produktiv, wenn Fragen zwischen Naturwissenschaften und Glaube von Zeit zu Zeit neu aufgerollt werden".

Grenzüberschreitungen von beiden Seiten seien dabei nicht ausgeschlossen, aber "wenn sich der Nebel lichtet, stehen Begriffe klarer da als vorher". Dies gelte auch für das Evolutionsparadigma.

Kein Widerspruch

Dass die Anerkennung der Evolutionstheorie durch Papst Johannes Paul als "mehr als nur eine Hypothese" unter dem neuen Papst jetzt infrage gestellt wird, dementiert Kapellari: "Benedikt XVI. hat seinem Vorgänger nicht widersprochen. Infrage gestellt wird lediglich der Absolutionsanspruch mancher Interpretationen der Evolutionstheorie." Philosophische und weltanschauliche Schlussfolgerungen sollten nicht zu rasch getroffen werden. Das habe auch Kardinal Schönborn klärend in einem Fernsehinterview gesagt.

Die Naturwissenschaft frage - so Kapellari - nach dem "Wie" der Entstehung von Welt und Leben. Sie tue dies mit empirischen Methoden und entsprechend eigenen Theorien. Wichtig sei eine angemessene Beurteilung hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen naturwissenschaftlicher Methodik und Theoriebildung. "Die Theologie fragt nach dem Ursprung und Sinn des Ganzen - Naturwissenschaft und Glaube schließen einander daher nicht aus", betont Kapellari. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.07.2005)

  • Egon Kapellari, Diözesanbischof von Graz-Seckau.
    foto: der standard/urban

    Egon Kapellari, Diözesanbischof von Graz-Seckau.

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