Billiger Treibstoff, leider illegal

15. Juli 2005, 17:13
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Tankwagenfahrer zweigten in drei Jahren 500.000 Liter Sprit ab

Wien – Der Liter Sprit um 50 Cent. So billig kann Autofahren werden, wenn man es mit Eigentumsrechten nicht so ganz genau nimmt. Und sich den Treibstoff von Tankwagenfahrern besorgt, die die Erdölprodukte in die eigenen Kanister gefüllt haben. Drei Jahre lang haben rund 40 Lenker diesen Trick angewandt, jetzt ist ihnen die Wiener Polizei auf die Spur gekommen.

Seit Jänner waren die Kriminalisten nach einem anonymen Hinweis am Ermitteln, berichtet Michael Mimra vom Kriminalkommissariat Süd. Dabei wurden die Beamten auch Zeugen der Malversationen an den Tankstellen. Ein Laster kam an, der Lenker begann, seine flüssige Ladung abzulassen. Allerdings floss nebenbei noch etwas in die eigenen Kanister oder Fässer. Um die Fehlmenge, jeweils 100 bis 150 Liter Treibstoff, zu kaschieren, wurden die Lieferscheine gefälscht.

Zunächst sollen laut Mimra neun Fahrer verschiedener Speditionen im Jahr 2002 mit dem Abzweigen begonnen haben. Die Sache sprach sich herum, neben den neun Haupttätern, die in Haft sind, wurden weitere 32 Fahrer angezeigt. Dazu kommen fünf bis zehn Hehler. Insgesamt sollen rund 500.000 Liter Benzin und Diesel verschwunden sein, der Schaden wird auf eine halbe Million Euro geschätzt.

Das Diebsgut wurde von den Männern aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark übrigens nicht nur für den Antrieb der eigenen Privatfahrzeuge benötigt. Sie haben es auch verkauft – „an Freunde, oder auch an entferntere Bekannte, nachdem es sich in den Wirtshäusern herumgesprochen hat, dass es billigen Treibstoff gibt“, fasst Ermittler Mimra zusammen. Der Preis lag dabei zwischen 50 und 70 Cent. Zum Vergleich: laut ARBÖ-Homepage war der günstigste (legale) Diesel am Dienstag bei „Brunnentank“ (Brunnengasse 4, 1160) um 94,8 Cent zu haben, bei „Nemec Diskont“ (Hollergasse 7, 1150) konnte man sich Normal- und Superbenzin um 1,018 beziehungsweise 1,027 Euro in den Tank füllen. (moe, DER STANDARD Printausgabe, 13.07.2005)

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