Billig fliegen, luxuriös übernachten

29. Juli 2005, 11:13
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Der Reisemarkt wächst allen Widrigkeiten zum Trotz - bis 2008 um 1,8 Prozent jährlich, wie aus einer neuen Studie hervorgeht - Mit Infografik

Wien - Die Lust am Reisen ist ungebrochen, der Reisemarkt wächst ungeachtet von Krankheiten (Sars), Naturkatastrophen (Tsunami), Terrorattacken (9/11, Bali, London) und anderen Grauslichkeiten schneller als beispielsweise der Automobil- oder Lebensmittelmarkt. Dies geht aus einer Studie hervor, die das international tätige Beratungsunternehmen A. T. Kearney am Dienstag präsentiert hat.

Demnach werden die Umsätze in der heimischen Reisebürobranche von 2,72 Mrd. Euro im Jahr 1999 auf knapp 3,3 Mrd. Euro im Jahr 2008 klettern, was einem Umsatzzuwachs von jährlich rund 1,8 Prozent entspricht.

Langjähriger Aufwärtstrend

"Selbst Einbrüche im Markt, wie es sie etwa nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 gegeben hat, können dem langjährigen Aufwärtstrend nichts anhaben. Auch Störungen wie Sars oder die Flutwelle (Tsunami) in Asien wirken sich fast nicht mehr aus im Markt", sagte Stefan Höffinger, der zusammen mit Claudia Witzemann für die Studie verantwortlich zeichnet.

Was sich allerdings sehr wohl ändert, ist die Art und Weise des Reisens: Einerseits wird immer öfter, dafür aber kürzer verreist. Zusätzlich kann man aber einen verstärkten Trend zu billig fliegen und luxuriös - sprich teuer - übernachten beobachten. "Die Mitte bricht weg. Es gibt die Massenkunden und jene mit individuellen Reisebedürfnissen", sagte Höffinger. Bauchladen-Reisebüros, von denen es heute noch viele gibt, hätten kaum eine Überlebenschance. Die müssten ihr Profil schärfen.

"Rosa Zukunft"

Jenen Reisebüros aber, die sich spezialisierten und die Kunden in ihren Wünschen begleiteten, sei eine "rosa Zukunft" beschieden. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Reisebüros ihre Filialnetze deutlich ausweiten, um dadurch näher an die Kunden zu rücken. Mittelfristig sei mit einer Zunahme der Outlets um 3,2 Prozent - zu rechnen, von derzeit gut 2500 Filialen auf 2600 im Jahr 2008.

Die Zahl der unabhängigen Reisebüros werde aber durch einen fortgesetzten Konzentrationsprozess, aber auch durch Kooperationen und Franchise-Partnerschaften weiter schrumpfen.

Die von Fluggesellschaften zum Teil bereits praktizierte oder für kommendes Jahr angekündigte Streichung der Provisionen für die Ticketausstellung sei für die Reisebüros nicht weiter schlimm. Die von den Reisebürokunden direkt eingehobenen Servicegebühren von 35 Euro und mehr sollten die Ausfälle locker kompensieren, sagte Höffinger. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2005)

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    Auch Reiseveranstalter wie TUI müssen ihr Profil schärfen, um langfristig zu den Gewinnern zu zählen.

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