Rumsfeld verdächtigt Iran der Verwicklung in Anschlag von Netanya

15. Juli 2005, 14:44
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Nach Selbstmordanschlag in Einkaufzentrum in israelischer Küstenstadt Zahl der Todesopfer auf vier erhöht - 30 Verletzte - Islamischer Jihad bekennt sich

Netanya/Jerusalem/Ramallah/Washington – Bei einem Selbstmordanschlag in einem Einkaufszentrum in der israelischen Küstenstadt Netanya sind am Dienstagabend neben dem Attentäter vier Frauen getötet und über 30 zum Teil schwer verletzt worden. Es war der zweite Selbstmordanschlag, seit dem In-Kraft-Treten des Waffenstillstands zwischen Israel und den Palästinensern im Februar. Zwei Wochen später hatte ein Attentäter in einer Diskothek in Tel Aviv fünf Israelis mit in den Tod gerissen.

Die Polizei erklärte, der Attentäter habe den Sprengsatz inmitten einer Gruppe Jugendlicher gezündet. Wegen der Urlaubszeit befanden sich viele Menschen am Abend in dem Einkaufszentrum.

Islamischer Jihad bekennt sich

Der Attentäter wurde als 18-jähriger Palästinenser aus dem Dorf Atil im Westjordanland, etwa 13 Kilometer östlich von Netanya identifiziert. Er gehöre dem Islamischen Jihad an. In einem Abschiedsvideo erklärte der Selbstmordattentäter von Netanja: "Wir erneuern unsere Verpflichtung zur Ruhe, aber wir müssen israelische Gewalttaten vergelten."

Die Terrorgruppe Islamischer Jihas übernahm kurze Zeit nach dem Anschlag die Verantwortung für die Tat, erklärte jedoch, sie wolle den Waffenstillstand einhalten. Der Islamische Jihad hat in der Vergangenheit bereits mehrfach den Gewaltverzicht der Palästinenser-Regierung ignoriert. Netanya war immer wieder Ziel von Anschlägen palästinensischer Terroristen gewesen. Nur wenige Wochen vor dem für August geplanten israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen und den anhaltenden Protesten jüdischer Siedler gegen den Abzug wurde der Angriff zu einem besonders heiklen Zeitpunkt durchgeführt.

Israel sagt Treffen mit Palästinensern ab

Als Reaktion auf den Anschlag sagte der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz ein für Dienstag geplantes Treffen mit einem palästinensischen und einem amerikanischen Gesandten ab. Stattdessen berief er die Kommandanten der Streitkräfte zusammen.

Palästinenserpräsident verurteilt Selbstmordanschlag als Terrorismus

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erakat verurteilte den Anschlag prompt. Die Attentäter wollten offenbar die Bemühungen für eine friedliche Übergabe des Gazastreifens und eine Wiederbelegung des Friedensprozesses sabotieren, sagte er.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat den Selbstmordanschlag in der israelischen Stadt Netanja scharf verurteilt. "Wir betrachtet dies als Terrorismus, als ein Verbrechen gegen das palästinensische Volk", sagte Abbas am Dienstag in Ramallah. Keine vernünftige Person könne einen solchen Anschlag kurz vor dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen und dem Norden des Westjordanlandes verüben, sagte Abbas.

"Idiotisches Verhalten"

"Diejenigen, die dahinter stecken, haben sich idiotisch verhalten", sagte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas. "Es gibt keinen vernünftigen Palästinenser, der so etwas in einer Zeit tun kann, in der Israel sich aus den Siedlungen im Gaza-Streifen und Westjordanland zurückzieht."

Die israelische Regierung forderte Abbas erneut auf, die militanten Gruppen zu zerschlagen. Israel fordert ein Ende palästinensischer Gewalt als Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Gesprächen mit den Palästinensern.

Rumsfeld verdächtigt Iran der Verwicklung in Anschlag

Nach dem Selbstmordanschlag in Israel hat US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Iran verdächtigt. Der Iran stehe möglicherweise hinter dem Anschlag vom Dienstag, sagte Rumsfeld nach einem Treffen mit seinem italienischen Kollegen Antonio Martino in Washington. Eines der erklärten Ziele Teherans sei es, Israel zu zerstören. Der Iran stehe auf der Liste der Förderer des Terrorismus und habe in der Vergangenheit die terroristische Hisbollah im Libanon und andere Organisationen unterstützt.

Versuchter Anschlag auf jüdische Siedlung

Palästinenserkreise in der Stadt Kalkilya erklärten, auch ein fast zeitgleich versuchter Anschlag mit einer Autobombe auf die jüdischen Siedlung Shavei Shomron im Westjordanland gehe auf das Konto des Islamischen Jihad. Die Organisation habe einen als israelischen Spitzel beschuldigten Palästinenser zu der Tat gezwungen. Der Mann sei vor etwa zwei Wochen verschleppt worden und habe mit der Tat "seine Unschuld beweisen sollen", hieß es. Der Attentäter sei festgenommen worden, als der Sprengsatz vorzeitig explodierte. (Reuters, APA, red)

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