"Eintagsjournalisten" gewinnen in Japans Medien an Einfluss

19. Juli 2005, 16:14
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Internetunternehmer Takufumi Horie will Medien und Journalismus umkrempeln

Ein japanischer Internetunternehmer ist mit Japans Medienlandschaft derart unzufrieden, sodass er nicht nur den Medienmarkt unter seine Kontrolle bringen, sondern auch den Journalismus neu erfinden will. Der 32-jährige Takufumi Horie heuert deshalb jetzt "public journalists" an. "Öffentliche Journalisten", die über das Online-Portal seines Unternehmens Livedoor "eine ganz neue Art von Journalismus" umsetzen sollen.

"Neu" ist, dass jeder, der einen eintägigen Einführungskurs besucht hat, Geschichten publizieren darf. Horie will so das etablierte Mediensystem untergraben. Er wirft Zeitungen und Fernsehstationen unter anderem vor, "moralisierend, begünstigend und manipulativ" zu sein sowie die Interessen von Konsumenten hartnäckig zu ignorieren.

Für sein Projekt hat Horie den etablierten Journalisten Mitsuyada Oda verpflichtet. Oda hat bereits die ersten zweihundert "public journalists" ausgewählt, in ein paar Jahren sollen 10.000 übers Land verteilt arbeitende Journalisten dafür sorgen, "dass wir mehr Einfluss bekommen".

Persönliche Erlebnisse

Oda meinte in einem Interview mit der "Japan Media Review" zu dem in den USA entstandenen Konzept: "Das Internet hat ein Umfeld geschaffen, in dem auch Durchschnittsbürger an den Massenmedien teilhaben können." Bei Publikationen sei man an "persönlichen Erlebnissen" interessiert, inwieweit Fakten geprüft würden, hänge von der Geschichte ab.

Takufumi Horie gilt als unkonventioneller Jungunternehmer mit großen Plänen. Er hat sich heuer bereits mit Japans größtem Privatsender Fuji TV angelegt. Zuvor hatte er sukzessive Anteile am Radiosender NBS aufgekauft, der die Mehrheit an Fuji TV hielt, um so die Kontrolle über die Mediengruppe zu erlangen. Das Match zwischen Livedoor und Fuji TV mündete in eine wechselseitige Beteiligung. Livedoor ist außerhalb Japans kaum bekannt, doch plant Horie zu einem der größten Medienunternehmer weltweit zu werden – dafür hat er kürzlich einen Kredit von 590 Millionen Euro aufgenommen. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2005)

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    Internetunternehmer Takafumi Horie hält Japans Medien für "moralisierend" und bildet stattdessen in Eintageskursen Journalisten aus.

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