Elektronikindustrie legte im Vorjahr zu

21. Juli 2005, 11:49
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Beschäftigungsplus von 1,6 Prozent - Hochleitner: Enge Verknüpfung von Inflationsrate und KV-Erhöhung auf lange Sicht nicht finanzierbar"

Wien - Der Umsatz der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie ist 2004 um 4,5 Prozent auf 11,4 Mrd. Euro angewachsen und hat damit eine langjährige Durststrecke hinter sich gelassen. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 1,6 Prozent auf 57.210, allerdings wurden seit 2000 gut 7.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Einbruch bei Unterhaltungselektronik

Den größten Zuwachs bei der abgesetzten Produktion verzeichneten die Bereiche "sonstige elektrische Anlagen" und "Kabel, Leitungen und Drähte", letzteres auch dank gestiegener Kupferpreise. Im Bereich "Unterhaltungselektronik" gab es mit minus 34,2 Prozent einen Einbruch, der hauptsächlich auf die Schließung des Grundig-Werkes in Wien zurückzuführen sei.

Im ersten Quartal 2005 habe es eine stagnierende bis leicht fallende Produktion gegeben, der Beschäftigtenstand sei aber um zwei Prozent gestiegen, erklärte Albert Hochleitner, Siemens Österreich-Chef und Obmann des Fachverbandes Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), am Dienstag vor Journalisten. Wachstumstreiber war der Export mit einem Plus von 5,2 Prozent. Gleichzeitig seien die Nettoverkaufspreise um 4,6 Prozent zurück gegangen.

Anhebung der Forschungsquote gefordert

Dass das erste Umsatzplus seit dem Boomjahr 2000 eine nachhaltige Trendwende ist, sieht Hochleitner skeptisch: "Da habe ich meine Bedenken". meinte er dazu. Ziel müsse die Anhebung der österreichischen Forschungsquote von derzeit 2,4 auf 3 Prozent und eine moderate Lohnpolitik sein. Diese müsse den sinkenden Preisen für Elektroprodukte Rechnung tragen. Die zuletzt erzielte Einigung bei den Kollektivlöhnen (plus 2,8 Prozent bei 2,9 Prozent Inflation) sei "an der Grenze des Finanzierbaren" gewesen. "Die enge Verknüpfung von Inflationsrate und Erhöhung der KV-Abschlüsse ist auf lange Sicht nicht finanzierbar", betonte Hochleitner.

Einmal mehr warnte die Branche vor der neuen Handymastensteuer in Niederösterreich. Diese sei eine "Standort schädigende Maßnahme", die "im Handstreich" beschlossen wurde, "um Budgetlöcher zu stopfen", so Hochleitner. Das Land Niederösterreich hole sich von den Mobilfunkern durch die Steuer 62 Mio. Euro, gebe aber selbst nur 8 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung aus, rechnete er vor. Und weiter: Würde die Steuer in allen Bundesländern kommen, wären das Mehrkosten für die Netzbetreiber von einer halben Mrd. Euro, was dem Investitionsvolumen der Handynetzanbieter entsprechen würden. Die Zeche hätten vor allem Kunden, Mitarbeiter und Zulieferer zu bezahlen, warnte die Industrie.

Hoffen auf den VwGH

Sehr zuversichtlich, dass die Steuer durch politischen Druck fallen könnte, zeigte sich Hochleitner jedoch nicht. Er kündigte Briefe an die politischen Entscheidungsträger an, in denen unter anderem noch einmal darauf hingewiesen werden soll, dass von der Steuer nicht nur Masten, sondern auch Indoor-Anlagen betroffen sind. Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (V) hatte die Steuer aber damit begründet, dass das Landschaftsbild durch "Mastenwildwuchs" verschandelt werde. Außerdem würde die Steuer nur GSM- und UMTS-Sendeanlagen betreffen, aber nicht die Sender des ORF oder die notwendigen Anlagen für den neuen Behördenfunk. Hochleitner hofft jedenfalls, dass die Steuer vor dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) doch noch gekippt wird. (APA)

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